Umweltschutz oder Rendite

Dieselkrise bei VW – eine Frage welcher Kultur?
Aus „Roter Käfer“, Betriebszeitung der DKP für VW
|    Ausgabe vom 4. März 2016

Seit dem Auffliegen der Schummel-Software sprechen die Oberen von VW gerne von „Kulturwandel“. Doch welche „Kultur“ war für die Schummeleien verantwortlich? „Vorsprung durch Technik“ – mit einer Software, die bei Abgastests niedrige Werte vortäuscht, statt mit einer Technik, die diese Werte auf der Straße realisiert?

Die verantwortlichen Konstrukteure hatten den Auftrag, zwei gegensätzliche Ziele zu vereinbaren: die (gesetzlich) vorgegebenen Abgaswerte und den (vom Management) vorgegebenen Kostenrahmen.

Dies ist beim Diesel besonders schwierig: Dieselmotoren verbrauchen weniger Sprit, produzieren deshalb weniger CO2. dafür aber mehr NOx. Dieses Problem technisch zu lösen ist nicht billig zu haben, das musste allen klar sein.

Trotzdem stieg in Europa und vor allem in Deutschland in den letzten Jahren der Diesel-Anteil, auch mit staatlicher Förderung (weniger Steuern auf Dieselkraftstoff), weil Diesel gebraucht wird, um die CO2-Ziele zu erreichen.

2003 waren in Deutschland nur 17 Prozent aller zugelassenen PKW ein Diesel, 2013 waren es schon 29 Prozent. Diesen Boom wollte die deutsche Autoindustrie als Sprungbrett in die USA Nutzen, um den dortigen Marktanteil von Dieselfahrzeugen (2013 weniger als drei Prozent) zu steigern. „2008 wird das Jahr des Clean-Diesel-Durchbruchs in den USA“, so VDA-Chef und Ex-Verkehrsminister Matthias Wiesmann.

Mit dieser Diesel-Strategie wurde der Widerspruch zwischen Umwelt- und Renditezielen noch schärfer. Während Toyota 2013 eine Umsatzrendite von acht Prozent erreichte, schaffte die Marke Volkswagen nur zwei Prozent, was die Aktionäre nicht zufriedenstellte.

Diesem „Rückstand“ sollen die „Spar“- oder „Effizienzprogramme“ entgegenwirken, ebenso die „Kostenrahmen“ für die einzelnen Bauteile. Und der Spagat zwischen Umwelt- und Renditezielen beim Diesel wurde mit der Schummel-Software „gelöst“, zugunsten des Profits und zu Lasten der Umwelt.

Jetzt auch zu Lasten der Beschäftigten? Ein „Kulturwandel“, der das ändern soll, müsste das Motto haben: „Der Mensch geht vor Profit“


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