Die Panini-WM

An der Endrunde 2026 sollen 48 Teams teilnehmen
Von HS/lmö
|    Ausgabe vom 13. Januar 2017

Die FIFA hat die Aufstockung des WM-Teilnehmerfeldes auf 48 Mannschaften im Jahr 2026 beschlossen. Und mehrere dürften sich darüber freuen: Als erstes kommt einem da Sepp Blatter ins Gedächtnis. Der korrupte Ex-Präsident der Fußballmafia hatte ursprünglich vor, mit einer Aufstockung des Teilnehmerfeldes Stimmen von Verbänden zu kaufen. Das gelingt jetzt Giovanni Infantino.
Durch die zusätzlichen Teilnehmer an der WM-Endrunde erhöht sich auch die Anzahl der Spiele – von 64 auf 96. Das bedeutet u. a. eine Mehrbelastung für die Spieler. Die FIFA wird auf ihre Kosten noch mehr Geld einnehmen. Doch die wirklichen Leidtragenden sind kleine Fußballfans und ihre Eltern. Ihre Portemonnaies und ihre Gesundheit werden leiden, denn Panini, Bitburger, Fleischindustrie und Co. stehen schon in den Startlöchern. Die genauen Folgen kann man wohl nur erahnen.
Zum Beispiel: Die Sammelbildchen der italienischen Firma Panini. Die Panini-Sammelbildchen werden vorzugsweise von Kindern gesammelt, mit hohem Suchtpotential. Zur Weltmeisterschaft 2014 gab es noch 640 Sticker mit den Stadien und Spielern und Trainern usw. der jeweiligen teilnehmenden Mannschaften. Dabei schlägt ein Sticker mit 14 Cent zu Buche. 2026 wird es dann mindestens 960 Bilder geben, aber wer jetzt 14 mal 960 nimmt, kennt das Geschäftsmodell von Panini nicht. Um alle Bilder sammeln zu können, muss man weit mehr als die 640 bzw. 960 Bilder kaufen, weil es ja darauf ankommt zu sammeln. Dazu kaufen Kinder viele Päckchen und sind über die vielen doppelt und dreifach vorhandenen Spielervisagen deutscher Fußballmillionäre enttäuscht, während der zweite Torhüter von Trinidad und Tobago zum heißbegehrten Sammelbild wird. Allein die Mehrbelastung durch die Panini-Alben dürfte den deutschen Durchschnittsverbaucher mit mindestens 50 Euro treffen. Dazu kommt dann noch der erhöhte Bierkonsum.
Die einfache Rechnung: Mehr Spiele führen zu mehr Fußballabenden. Dazu wird im Sommer gegrillt und viel Bier getrunken. Auch Bitburger hatte zur WM 2014 dazu eine Aktion mit Sammelkronkorken, die die Sammelwut anspricht. Um zu gewinnen, musste man alle Flaggen der Teilnehmerländer in den Kronkorken sammeln. Mit mehr Teilnehmern muss man natürlich auch mehr Bier trinken, um an alle Kronkorken zu kommen.
Da wohl die WM im Sommer ausgetragen wird, es sei denn die FIFA setzt ihre wahnwitzige Idee einer Winter-WM um, muss das Bier gekühlt werden. Dazu braucht man einen größeren Kühlschrank, an den dann auch der erweiterte WM-Spielplan gehängt werden kann. Die Folgen des fußballgetriebenen Alkoholkonsums: Mehr Absatz für den Biermonopolisten, Belastungen für das Gesundheitswesen.
Aber die Fans dürften den FIFA-Verantwortlichen relativ egal sein, solange sie sich ihre eigenen Taschen füllen können. Und da macht es keinen Unterschied, ob ein Giovanni Infantino oder ein Sepp Blatter auf dem Geldberg in der Züricher Zentrale sitzt. Dieser Geldberg wird durch die Vermarktung der Mehrspiele nur höher. Vor noch mehr Spielen zugunsten der Geldmacherei warnte Anfang Januar Mainz 05-Spieler Stefan Bell im Kicker: „Ich bin mittlerweile oft an dem Punkt, wo ich keine Lust mehr habe, mir Fußball anzusehen.“
Man muss ihm Recht geben. Am besten geht man zu dem Sportverein um die Ecke und genießt dort noch den Fußball, wie er von zahllosen Amateuren geliebt und gelebt wird. Vielleicht sind es ja 2026 wirklich weniger Menschen, die bereit sind, sich das Schmierentheater seitens der FIFA noch anzugucken.


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Leserbrief zu »Die Panini-WM«, UZ vom 13. Januar 2017





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