China wird Fußball-Weltmeister 2050

Von Hannes Schinder
|    Ausgabe vom 17. März 2017
Fußballtraining in Guangzhou zur Qualifikation für die Asian Champions League (Foto: [url=https://www.flickr.com/photos/petenowakowski/15903597813] Pete Nowakowski[/url])
Fußballtraining in Guangzhou zur Qualifikation für die Asian Champions League (Foto: Pete Nowakowski / Lizenz: CC BY 2.0)

Chinas Staatschef Xi Jinping hat große Ziele für den chinesischen Fußball. Bis zum Jahr 2050 soll das Land in die Weltspitze des Fußballs vorstoßen und einen Weltmeistertitel gewinnen. Um dieses Ziel zu erreichen wird im Reich der Mitte ein Plan verfolgt, der sich in drei Phasen unterteilt. Zunächst soll der Fußball im Jugendbereich gefördert werden. Dann soll sich die Nationalmannschaft in den Top-Platzierungen im asiatischen Raum festsetzen, bevor in der dritten Phase die Weltspitze angestrebt wird. Die dritte Phase soll mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft gekrönt werden.
Aktuell befindet sich China in der ersten Phase. Um den Fußball populär zu machen, wurde ein 50-Punkte-Plan entwickelt. Dieser Plan sieht vor, dass Fußball zum Pflichtfach in der Schule wird. Außerdem sollen bis zum Jahr 2025 50 000 neue Fußballschulen im ganzen Land entstehen. Die derzeit größte Schule besitzt der Club Guangzhou Evergrande. Dessen Schule bietet Platz für 3 000 Schüler und umfasst 50 Trainingsplätze. Für die Betreuung der Kinder stehen 27 spanische und über 150 chinesische Trainer zur Verfügung. Das zeigt schon einmal, wohin die Reise Chinas gehen wird. Es werden viele Trainer aus dem europäischen Raum für die Jugendförderung, aber auch die Trainerausbildung verpflichtet. Denn die besten Trainer der Zeit absolvierten ihre Ausbildung in Europa. Von deren Erfahrungen können auch die chinesischen Trainer profitieren. So wechselte der ehemalige Trainer der deutschen U-17-Nationalmannschaft, Marco Pezzaiuoli, in die Jugendabteilung von Guangzhou Evergrande. Der italienische Weltmeistertrainer von 2006 Marcello Lippi trainiert die chinesische Nationalmannschaft und der Brasilianer Luiz Felipe Scolari ist Cheftrainer von Guangzhou Evergrande. Diese Trainer heben mit ihrer Erfahrung schon das Niveau der chinesischen Fußballer.
Zusätzlich wurden für diese Saison Topstars wie Carlos Tévez oder Oscar für viel Geld verpflichtet. Oscar wechselte für 60 Millionen Euro vom FC Chelsea zu Shanghai Dongya F. C. und Carlos Tévez erhält bei Shanghai Shenhua angeblich ein Jahresgehalt von 40 Millionen Euro. Diese Topstars können dem chinesischen Fußball helfen. Denn sie sind Vorbilder für Jugendspieler und machen den Sport attraktiver für junge Spieler und auch erwachsene chinesische Fußballprofis können von deren Erfahrung und Fähigkeiten etwas lernen. Damit trotzdem genug chinesische Spieler in den Mannschaften spielen, gibt es die Regel, dass maximal vier Nichtasiaten in einer Mannschaft spielen dürfen. Doch diese hohen Ablösesummen stellen auch einen Nachteil für den chinesischen Fußball dar. So kritisiert Marco Pezzaiuoli die Auswirkungen der Top-Transfers, die in keiner Relation zum Niveau der chinesischen Super League steht. Denn dadurch seien auch die Ablösesummen für mittelmäßige chinesische Spieler gestiegen, für die jetzt oftmals zwischen zehn und fünfzehn Millionen Euro bezahlt werden.
Doch zurück zu der Jugendförderung. Der Bau der Fußballschulen und die Verpflichtung ausländischer Spitzentrainer bieten eine gute Möglichkeit für die Weiterentwicklung junger Spieler. Doch auch dort gibt es einige Missstände, auf die die chinesische Regierung mit ihrem 50-Punkte-Plan für den Fußball reagierte. Denn durch die Größe des Landes sind Spiele im Jugendbereich schwer zu organisieren. So gibt es bisher keine Vereins- und Ligastruktur, wie wir sie aus Europa kennen. Deshalb sollen neue Vereine gegründet und ein Ligasystem aufgebaut werden, welches die Ausübung des Sports leichter gestalten soll. Bisher finden Jugendspiele nur unregelmäßig statt und dann meist stark gebündelt, sodass die Jugendspieler nur alle zwei Monate Spiele austragen, aber dann alle zwei Tage. Für diese Spiele müssen die Jugendlichen oft mindestens zwei Stunden Flugzeit in Kauf nehmen. Diese Spielplanung ist nicht förderlich für die Entwicklung junger Spieler, welche regelmäßige Einsatzzeiten benötigen, um ihre Fähigkeiten weiterentwickeln zu können.
Experten bewerten diesen Plan als den vernünftigsten seit langer Zeit, der den chinesischen Fußball fördern soll. Doch es bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung weitergeht und ob diese Erfolg bringt.


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Leserbrief zu »China wird Fußball-Weltmeister 2050«, UZ vom 17. März 2017





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