Der rote Kanal

|    Ausgabe vom 21. April 2017

Konrad Adenauer – seine fünf Leben
Vor 50 Jahren, am 19. April 1967 starb 91-jährig Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der „alten“ BRD. Lothar Schröder, Journalist und Dokumentarfilmer, der für diverse Formate des öffentlich-rechtlichen Senders arbeitet und zu ähnlichen Anlässen bereits mehrfach demonstriert hat, dass er es versteht, Archivschnipsel zu launigen Bilderbögen zu montieren, lieferte hier das Erwartbare. Gerade für jüngere ist es sicherlich nur mit Grusel zu ertragen, wie die restaurative und moralinsaure Republik durch solche Figuren wie „der Alte aus Rhöndorf“ geprägt wurden.
Fr, 21.4., 20.15 Uhr, WDR

Schattenwelt BND
Es ist eine gigantische Geheimbehörde, ein Dienst, der vollkommen im Verborgenen operiert. Der Bundesnachrichtendienst (BND) setzt Tausende Beamte mit falschen Namen und falschen Pässen ein, um an fremde Staatsgeheimnisse zu kommen und an Informationen, die in keiner Zeitung zu lesen sind. Der BND ist ein wesentlicher Teil des „tiefen Staates“. Ein Abhörskandal nach dem anderen erschüttert den Dienst. Nichts und niemand scheint vor der Neugier der Spione sicher zu sein: Ohne jeden Anlass wurden E-Mails und Telefonate deutscher Bürger überwacht. Die deutschen Agenten haben ihren US-Kollegen von der NSA geholfen, Firmen in Deutschland auszuspähen, Wer bändigt diesen Spionagebetrieb mit seinen gewaltigen Abhöranlagen und seinem Datenhunger? Ob die Dokumentation der beiden Filmemacher Reinald Becker und Christian H. Schulz auf solche und ähnliche Fragen kluge Antworten geben werden?
Sa, 22.4., 21.45 Uhr, 3Sat

Wehrlos
Die österreichischen Tatort-Krimis sind (fast) immer sehenswert. Harald Krassnitzer als leitender Kommissar und die hervorragend spielende Adele Neuhauser als seine Kollegin haben es diesmal mit einem Mord an dem Leiter einer Polizeiakademie zu tun, der auf den ersten Blick aus einem Einbruchsversuch herrührt. Natürlich steckt viel mehr dahinter, der Tote ist wohl kein vorzeigbares Mitglied der höheren Polizeikräfte, in der Akademie liebte er es, Angst und Schrecken zu verbreiten und war selbst treibende Kraft, junge Polizeischülerinnen und -schüler zu mobben. Aber mit dem gebotenen Sarkasmus und einer Portion Wiener Nonchalance werden die Beiden den Fall lösen. Regie führt Christopher Schier, bisher wenig bekannt für TV-Spielfilme oder Krimis, er arbeitet eher für Werbekampagnen, schaun mer mal.
So, 23.4., 20.15 Uhr, ARD

I Am Not Your Negro
Der afroamerikanische Autor James Baldwin begann 1979 an einem Manuskript, das eine einmalige Sichtweise auf die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung in den USA, ihre wichtigsten Akteure, Ereignisse und Bewegungen zeigt. Nur knapp 30 Seiten brachte er vor seinem Tod zu Papier. Das Manuskript vertraute Baldwins Testamentsvollstrecker dem Regisseur Raoul Peck an, der einen Film daraus machte. Es ist der Blick eines Insiders und Zeitzeugen, kritisch und persönlich. Dies ist angesichts der jüngsten Vorfälle (Ferguson, Baltimore usw.) und des erneuten Anstiegs der Gewalt gegen Afroamerikaner besonders bedeutsam. Anhand von Archivbildern, Filmausschnitten und aktuellen Aufnahmen erzählt der Film in Baldwins Worten von der „Geschichte der Gewalt“.
Raoul Pecks neuester Spielfilm „Der junge Karl Marx“ lief im März dieses Jahres an, wenn diese Dokumentation so gut ist wie der Film, dann nicht verpassen.
Di, 25.4., 20.15 Uhr, ARTE


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Leserbrief zu »Der rote Kanal«, UZ vom 21. April 2017





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