Kultursplitter

|    Ausgabe vom 19. Mai 2017

Weg damit
Es kam doch, wie es schlechter nicht hätte kommen können: Der Kulturausschuss der Stadt Düsseldorf hat eine Verlängerung der Gastprofessur des bekannten Musical-Komponisten und Produzenten Dieter Falk an der Robert-Schumann-Musikhochschule abgelehnt. Mit den Stimmen der Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen ist eine Vorlage zur Fortsetzung bis September 2018 abgelehnt worden (die UZ befürchtete schon am 7.4., dass es so ausgehen könne). Der Vorschlag sah auch den Kompromiss vor, dass die Hochschule künftig die Hälfte der Kosten der Professur in Höhe von 50 000 Euro übernimmt. Um die seit 2013 bestehende Professur war zuvor ein politischer Streit entbrannt. Oberbürgermeister Thomas Geisel hatte sich für die Verlängerung eingesetzt, eben so das Hochschulrektorat und die Studierenden. Den Kulturbanausen im Rat passte eh nicht, was Falk machte, nun läuft die Professur in Düsseldorf mit dem Sommersemester aus. Über neue Pläne, was dann an der Hochschule gelehrt werden könne, ist nichts bekannt. Die Landesregierung, verantwortlich für ihre Hochschulen, ist mit ihrem Wahlkampf beschäftigt und lässt es mit Achselzucken geschehen.

Neue Standards?
Zum 100-jährigen Bestehen des Deutschen Museumsbundes gab es den entsprechend großen Festakt in Berlin. Der Verband versteht sich als Interessenvertretung der Museen und – so sagt er – als Vertretung aller Beschäftigten, obwohl die wohl eher bei ver.di ihre Interessen gewahrt sehen.
Präsident Eckart Köhne gab von sich, das Internet und soziale Medien seien die große Zukunftschance der Museen, darüber erreiche man auch Menschen, die sonst nicht kommen würden. Man hoffe, durch die Erweiterung in den digitalen Raum neue Zielgruppen zu gewinnen, man scheint sich nicht mehr sicher zu sein, dass die „Aura der Originale“ ihren Zauber behalte und setzt lieber auf dreidimensional verfügbares Gedrucktes oder online Zeigbare.
Als Standards sind die Kernaufgaben – Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln – in der Museumswelt etabliert und anerkannt. Doch es stellt sich die Frage, ob sie noch ausreichen? Müssen tatsächlich andere, neue Standards dazu kommen? Über die Möglichkeiten, Eintrittspreise zu senken oder gänzlich darauf zu verzichten, kommt man beim Festakt nicht, lieber wünscht man sich mehr Geld für schöne neue Sammlungen und medial wirkungsvolle Events.

Kulturguthandel strenger bestrafen
Mit einem strengeren Strafrecht soll gegen den illegalen Handel und die Zerstörung von Kulturgütern vorgegangen werden. Vor wenigen Tagen beschloss der Europarat in Strassburg eine neue Konvention, dabei muss beachtet werden, welche tatsächlichen Wirkungen solche Beschlüsse haben können angesichts der faktischen Ohnmacht dieser Organisation. Er ist ein Forum für Debatten über allgemeine politische Fragen in Europa, sein „Parlament“ hat überhaupt keine legislative Kraft. Letztes Jahr beschloss der Bundestag ein neues Kulturschutzgesetz (die UZ berichtete am 30.9.2016 darüber), passiert ist seitdem nichts, da es völlig harmlos ist. Was den Europarat zu seiner Initiative bewog, sagen die Worte von Generalsekretät Thorbjorn Jagland „wir können nicht länger danebenstehen und zusehen, wie Terroristen historische Stätten zerstören und mit wertvollen Kulturgütern handeln“. Mit der Unterzeichnung können sich die 47 Mitgliedstaaten des Europarats dazu verpflichten, künftig Diebstahl kultureller Güter, rechtswidrige Ausgrabungen, illegalen Import und Export sowie den Ankauf gestohlener Güter strenger zu bestrafen. Beim illegalen Handel mit Kulturgütern werden Milliarden Dollar umgesetzt. Bedroht ist vor allem das kulturelle Erbe in Kriegs- und Krisengebieten.


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Leserbrief zu »Kultursplitter«, UZ vom 19. Mai 2017





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