Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 14. Juli 2017

Beihilfe
Der US-Internetkonzern Google wird Medienberichten zufolge auf seinen digitalen Landkarten „Google Maps“ und „Google Earth“ künftig die indigenen Gebiete in Brasilien anzeigen. Der Konzern kündigte an, dafür mit der brasilianischen staatlichen Indigenenbehörde Funai zusammenarbeiten zu wollen. Früher war das Ziel der Behörde die Integration indigener Völker in die Mehrheitsgesellschaft, womit kulturelle Unterschiede ausgelöscht und ihr Land verfügbar gemacht werden sollte. Zahlreiche Verbrechen gingen auf das Konto der Vorgängerorganisation, aber anscheindend geht man nun nur eleganter damit um. Rund 500000 Indigene leben in ganz Brasilien in knapp 500 Schutzgebieten. Die Initiative sei ein Beitrag zur Erhaltung der indigenen Kultur in den Gebieten, außerdem wolle man die Verwaltung der teils riesigen Gebiete erleichtern und zeigen, wie die indigenen Völker zum Erhalt der Natur beitragen. So werde mit den neuen Karten klar, dass die indigenen Gebiete die am besten erhaltenen Waldflächen darstellen. Oft sind sie grüne Inseln in einem Meer der Abholzung und Zerstörung. Wer vermutet, dass die Regierung von Staatschef Michel Temer absichtlich den Schutz der Indigenengebiete lockert, um so das Vordringen des Agro-Business, also von wirtschaftlichen Aktivitäten rund um die Landwirtschaft, zu erleichtern, liegt sicherlich nicht falsch.

Beifall
Alljährlich arbeitet sich die Stiftung Buchkunst durch eine Fülle von über 700 Titeln, die ihr für die mögliche Auszeichnung „Die schönsten deutschen Bücher“ zugesandt werden. Wie die ästhetische Dimension eines Gebrauchsgegenstandes zur Grundlage der Entscheidungen gemacht wird, ist ein Beispiel für eine schräge Dialektik von Inhalt und Form. Katharina Hesse von der Stiftung: „Im Grunde ist ein schönes Buch das Buch, das in der Gestaltung und in der Verarbeitung das transportiert, was der Inhalt dem Leser oder dem Betrachter vermitteln möchte. Ein Roman ist dann schön, wenn er lesbar wird, und lesbar wird er nicht nur durch die Sprache des Autors nämlich, sondern auch ganz entscheidend über den Satz, über die Wahl der Schrift, über die Platzierung der Schrift auf der Seite, über die Wahl des Papiers.“ Hesse ist der Meinung und nimmt sich den preisgekrönten neuen Paul Auster als Beispiel: „Bei 1 200 Seiten können Sie sich vorstellen, wenn Sie das falsche Papier wählen, dann bricht Ihnen das Buch auseinander. Und dass man mit Freude ein Buch liest und das ist was, was man als Leser ja gar nicht merkt“. Hauptsache also, das Buch ist gut gemacht, dann spielt der Inhalt nicht mehr eine so große Rolle. Wie ein alter Buchhändler einmal treffend bemerkte: „Ein gutes Buch ist ein schnell verkauftes Buch“.
Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr der neue Roman von Paul Auster „4 3 2 1“ (Rowohlt Verlag), eine Neuauflage von Voltaire „Der Fanatismus oder Mohammed“ (Verlag Das Kulturelle Gedächtnis) oder von Sebastian Rether eine graphic novel „FOC/FEUER“, erschienen in der edition büchergilde.

Beigaben
Die Unesco vergibt alljährlich den Titel „Weltkulturerbe“ an alles mögliche an Bauten, die ihr – mit reichlichem PR-Aufwand – von interessierten Städten und Kreisen aus aller Welt vorgeschlagen werden. Diesmal haben es die „Höhlen der ältesten Eiszeitkunst“ in Baden-Württemberg geschafft, zum Weltkulturerbe ernannt zu werden. Die dort gefundenen rund 40 000 Jahre alten Musikinstrumente und figürlichen Darstellungen von Menschen, Tieren und Mischwesen gelten als Beleg für die Entstehung des modernen menschlichen Geistes. Die wichtigsten Funde können in Museen in Ulm, Tübingen und Blaubeuren besichtigt werden. Die Skulpturen aus Mammutelfenbein sind meist nicht größer als sechs Zentimeter. Meist wurden Tiere nachgebildet, die einst in der Region vorkamen – Höhlenlöwen, Bären, Wisente und immer wieder Mammuts sowie verschiedene Vögel.


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Leserbrief zu »Kultursplitter«, UZ vom 14. Juli 2017





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