Die Finger am Abzug

USA nutzen angeblichen Giftgasangriff für neue Kriegsdrohungen
Von Manfred Ziegler
|    Ausgabe vom 13. April 2018
Letzte Meldung: US-Kriegsschiffe wie die USS Donald Cook werden im östlichen Mittelmeer zusammengezogen. (Foto: U. S. Navy)
Letzte Meldung: US-Kriegsschiffe wie die USS Donald Cook werden im östlichen Mittelmeer zusammengezogen. (Foto: U. S. Navy)

Gefährliche Eskalation – das umschreibt die Drohungen gegen Syrien nur unzureichend. Ein nicht existenter Angriff mit Chemiewaffen soll als Vorwand für einen neuen militärischen Angriff gegen Syrien – und vielleicht darüber hinaus – dienen.
Jeder, der die Situation in Syrien verfolgt weiß: Die syrische Regierung hat nicht den mindesten Grund, Zivilisten in Douma oder anderswo mit Chemiewaffen anzugreifen. Russland und die syrische Regierung verlangen eine Untersuchung vor Ort durch Experten der OCPW – Gift für die Kriegstreiber in Washington.
Gerade die Entwicklungen um Douma zeigen: Die Dschihadisten waren auf verlorenem Posten gegenüber der syrischen Armee. Die Dschaisch al-Islam fand sich nach langen Verhandlungen zu einer Übereinkunft mit der syrischen Regierung bereit. Kaum in Kraft – die ersten Busse mit Dschihadisten und ihren Familien waren schon auf dem Weg nach Dscharablus – kündigte sie das Abkommen wieder auf und griff Wohnviertel in Damaskus mit Granaten und Raketen an.
Die syrische Armee nahm ihre Offensive wieder auf und überrannte in der Nacht zum Sonntag die Verteidigungsstellungen der Dschaisch al-Islam in Douma weiträumig. Jetzt wurden angeblich Zivilisten mit Giftgas angegriffen.Die Dschaisch al-Islam hatte der Offensive der syrischen Armee nichts entgegen zu setzen und bat um Waffenstillstand, das ursprüngliche Abkommen trat wieder in Kraft.
Ein Giftgasangriff auf Zivilisten durch die syrische Armee wäre absurd. Nicht absurd ist ein inszenierter Angriff – oder auch nur die Behauptung eines Angriffs, um die USA auf den Plan zu rufen.
Es brauchte dafür keinen Giftgasangriff. Für die USA waren die Erfolge der syrischen Armee in Douma der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Es war ein Erfolg im Kampf gegen den „Regime-Change“, ein Erfolg zu viel.
Ob mit oder ohne UN, wie Nikki Haley, die Vertreterin der USA bei den UN erklärte, die USA würden handeln. Alle militärischen Optionen wären auf dem Tisch, wie es verharmlosend heißt. Die Drohungen gelten gleichermaßen Syrien wie Russland und dem Iran. US-Präsident Trump hat sein Kabinett auf Krieg ausgerichtet. Die Berufung des Hardliners Bolton war nur der letzte Schritt.
Das Drehbuch mit dem angeblichen Chemiewaffeneinsatz hat eine Schwachstelle: Die Dschihadisten baten schon am Sonntag um einen Waffenstillstand. Zu schnell kann die Realität vor Ort geprüft werden – und das Ergebnis ist eindeutig: es gab keinen Chemiewaffeneinsatz, es ist alles frei erfunden. Russische Medien melden, russische Sanitäter haben Patienten in einem Krankenhaus in Douma untersucht. Dabei haben sie keine Symptome einer Vergiftung feststellen können.
Der russische Vertreter bei den UN hat erneut betont, dass ein Angriff auf Syrien, der russische Truppen bedrohe, Konsequenzen haben werde. Ob das ausreicht, um einen US-Angriff zu verhindern?


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