Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 13. April 2018

Kinolandschaft
Rund 140 Millionen Menschen gehen jährlich in die Kinos in Deutschland, eigentlich eine erfreuliche Zahl. Aber nur ein Viertel davon sehen sich deutsche Filme an und die allermeisten deutschen Filme schaffen gerade mal 8 000 Zuschauer. Ein Kongress in Frankfurt beschäftigte sich mit der „Zukunft des deutschen Films“ und beklagte die Ko-Finanzierung deutscher Filme durch die Fernsehanstalten. Die inhaltliche und formale Einflussnahme auf die Produktionen würde weder zu wirtschaftlichen noch künstlerischen Erfolgen führen, die gegenwärtige Filmförderung hätte nur Bürokratisierung und Nivellierung zur Folge. Auch die Koppelung an eine Fernsehausstrahlung sei nicht förderlich für eine „freie Kunst“. Der Vorschlag der Produzenten: Die Gelder sollten in einen zentralen staatlichen Fonds fließen. Wie es dann besser werden soll, wenn der Staat (wer immer das dann sein soll) mit neuer Bürokratie die Fördergelder zuweist, bleibt offen. Die naive Vorstellung, staatliche Stellen würden unabhängiger, ja mit Offenheit an die Filmschaffenden herantreten, verkennt völlig die Interessen der Herrschenden, außer Mainstream alles zu ignorieren.
Rechter Feminismus
Im sattsam bekannten Antaios-Verlag ist ein Buch der US-amerikanischen Feministin, so ihre Eigeneinschätzung, Camille Paglia erschienen. Wer aber schreibt „Frauen können keine Kunst machen, weil sie nicht sublimieren können, aber das müssen sie auch gar nicht, denn sie können ja Babys machen. Und Männer – die keine Babys machen können – müssten darum Schreiben, Kunst machen, Kultur machen.“ Dies ist nun, mit Verlaub, noch nicht einmal Küchenpsychologie, sondern nur noch dämliches Zeug. Auch auf den Antiislamismus-Zug ist die Dame aufgesprungen, hat ihr eine breite Medienpräsenz in den USA gebracht. Dass sie von großen deutschen Verlagen nicht mehr verlegt werde, hat andere Gründe, denn so ein krudes Zeug will man sich nicht antun. Dass der rechte Antaios-Verlag sie nun herausbringt, liegt daran, dass sie damit kompatibel ist in ihren Hauptthesen mit sonstigen Machwerken des Hauses. Witzig ist, dass Paglia sich nun in einer Opferrolle sieht, obwohl sie selbst genau diesen Opfer-Feminismus anprangere. Sie ist vollkommen vom Machismo infiziert, gerne betont sie, nur rohe Steaks zu essen und und findet, dass die Frau sich endlich selbst ermächtigen soll, die Sachen auf die Reihe zu kriegen.
Sprachkultur
Die Gesellschaft für deutsche Sprache, allgemein eher bekannt für ihr alljährliches „Wort bzw. Unwort des Jahres“ vergibt seit 30 Jahren einen „Preis für Deutsche Sprache“. In diesem Jahr erhalten die Pop-Gruppe „Die Fantastischen Vier“ und die „Sendung mit der Maus“ die Preise. Die Hip-Hop-Band ist seit fast zwanzig Jahren im Musikgeschäft, durch sie wurde der deutschsprachige Sprechgesang, der Deutschrap, salonfähig und beliebt; sie bereiteten der Popularisierung dieses Genres maßgeblich den Weg. Die Bandmitglieder Thomas D., Smudo, Michi Beck und And.Ypsilon sind Musiker, die von Anfang an Wert auf die deutsche Sprache legten, und gelten als Vorbild einer gesamten Musikgeneration, die in deutscher Sprache singt und rappt. Thomas D. sagte nun, es sei komplizierter auf Deutsch als auf Englisch zu rappen, angeblich reimen sich im Deutschen weniger Worte, eine kühne Behauptung. Der zweite Preisträger, die „Sendung mit der Maus“, besitzt nach Ansicht der Jury die Fähigkeit, in ihren Sachgeschichten komplexe Sachverhalte interessant, verständlich und spannend zu erklären, ohne dabei schulmeisterhaft aufzutreten oder unnötig zu vereinfachen und eine künstliche Kindersprache zu verwenden. Obgleich das Zielpublikum Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter sind, liegt das Durchschnittsalter der Zuschauer bei knapp 40 Jahren.


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