Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 18. Mai 2018

Das dauert
Die Republik Namibia fordert von der Bundesregierung die Rückgabe einer steinernen Wappensäule, die in der Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museum Berlin gezeigt wird. Die Regierung des südwestafrikanischen Staates bemüht sich seit mehreren Jahren um das Objekt. Seit Anfang Juni 2017 liegt nun ein offizielles Rückgabeersuchen vor. Das Anliegen werde noch geprüft, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Als Teil des Prüfungsprozesses findet Anfang Juni ein Symposium statt, zu dem Historiker, Juristen sowie Museumsfachleute aus Afrika und Europa eingeladen sind. Die steinerne Wappensäule war 1486 am Kreuzkap von portugiesischen Entdeckern aufgestellt worden. 1893 brachte die Kaiserliche Marine sie nach Deutschland. Ihr Standort gehörte zur damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Wann kommen unsere Museumswächter in wirkliche Bewegung, sie verstecken sich gern hinter Verweisen auf die zunächst noch nötige Provenienzforschung. Sie verschanzen sich hinter Regeln, die einst den Raub legitimierten, ihnen fallen nun selbstverständlich jede Menge praktischer Hürden ein, die man ja noch beäugen, verschieben, überwinden müsse.

Öffentlicher Ort
Der deutschen Bibliotheks-Statistik zufolge gehen die Ausleihen gedruckter Bücher in deutschen Bibliotheken kontinuierlich zurück (von 219 Millionen im Jahr 2010 auf 193 Millionen 2016). Im Gegensatz dazu steigt die Zahl der Besucher und Nutzer weiterhin an, ein Phänomen, das nicht neu ist, aber immer größere Bedeutung hat: Menschen suchen etwas anderes in der Bibliothek, sie suchen einen Ort, an dem sie nicht nur Wissen finden, sondern auch Unterhaltung, Orientierung, Austausch. Sie wollen kostenlos im Internet surfen, sich verabreden, vielleicht eine Lesung besuchen, Diskussionsrunden verfolgen. Freiberufler können in Bibliotheken Arbeitsplätze finden, Geflüchtete finden kostenloses WLAN und einen Aufenthaltsort, für den in überfüllten Notunterkünften oft kein Platz ist. Bekannt ist der Begriff des „Dritten Ortes“. Öffentliche Plätze, die neben der eigenen Wohnung und dem Arbeitsplatz aufgesucht werden. Cafés, Vereine, Konzertsäle. Und Bibliotheken. Aber der Zustand vieler Bibliotheken ist trostlos, nicht nur halbvolle Regale, darin wenig Neues, auch das Mobiliar lädt nicht unbedingt ein. Die leeren Kassen und damit einhergehend ein radikaler Abbau der Etats sind schuld, die Bedürfnisse der arbeitenden und lernenden Menschen werden, wie sonst auch, nicht berücksichtigt.

Nicht überraschend
Hans Peter Riegel veröffentlichte eine Biografie des Schamanen Joseph Beuys, der im Kunst- und Kulturbetrieb der 60er bis 80er Jahre als Maler und Propagandist der „sozialen Plastik“ (eigentlich meinte er einen Germanenkult) einen beachteten Platz hatte. Riegel rekonstruiert die Nähe zum deutschen Faschismus, zu Anthroposophen und Vertretern des „Völkischen“. Das intellektuelle und finanzielle Umfeld von Beuys wird verständlich, wenn Beuys gerne die Kameradschaftsabende seiner Stuka-Einheit besuchte, an seiner Tataren-Legende strickte und daraus seine Vorliebe für Tierfelle und Fette bezog. Der Sammler Karl Ströher, Beuys‘ langjähriger Mäzen, habe „sein Vermögen begründet, indem er von der Enteignung seiner jüdischen Partner profitierte“, sagt Riegel, und „Karl Fastabend, Beuys‘ Sekretär, der in den Siebzigerjahren fast alle politischen Texte für Beuys formulierte, war ein Faschist erster Stunde, ein SA-Mann, später SS-Mann“. Viele in der bürgerlichen Kulturverwertung gingen Beuys auf den Leim, viele Mythen und Märchen dienten vor allem der Ablenkung davon, dass Beuys im Atelier lediglich die wirren Lehren von Rudolf Steiner in plastische Werke übersetzt habe.


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