Zur Kritik an der antimonopolistischen Strategie der DKP

Von Konni Lopau
|    Ausgabe vom Sammlungen

Die antimonopolistische Strategie (AMS) der DKP hat eine lange Geschichte. Bereits im Kommunistischen Manifest lesen wir: „In Deutschland kämpft die kommunistische Partei, sobald die Bourgeoisie revolutionär auftritt, gemeinsam mit der Bourgeoisie gegen die absolute Monarchie, das feudale Grundeigentum und die Kleinbürgerei. Sie unterlässt aber keinen Augenblick, bei den Arbeitern ein möglichst klares Bewusstsein über den feindlichen Gegensatz von Bourgeoisie und Proletariat herauszuarbeiten.“ …
Nach den Erfahrungen im Kampf gegen Faschismus und Krieg wurde sie zur grundsätzlichen Orientierung ausgearbeitet, nachzulesen im Referat von Dimitroff auf dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale 1935. Die strategische Konzeption der DKP gründet im Wesentlichen darauf. Diskussionen über die AMS prägten die Zeit zwischen der Neukonstituierung der DKP 1968 und dem Beschluss des ersten Parteiprogramms 1978.
Die Tatsache, dass die AMS von Reformisten fehlinterpretiert oder missbraucht wird oder dass Reformisten versuchten, Einfluss auf die Formulierungen zu nehmen, was im gültigen Programm zu Ungenauigkeiten geführt hat (kleine und mittlere Bourgeoisie als Kräfte des Fortschritts), bedeutet nicht, dass die AMS an sich reformistisch ist. Verfälschungen und Missbrauch für reformistische Zwecke gab es in der Geschichte immer wieder, z. B. bei Rosa Luxemburg oder bei Antonio Gramsci.
Die AMS ist die aus der Geschichte der kommunistischen Weltbewegung hergeleitete realistische Strategie gegen einen übermächtigen Gegner. In Vorbereitung des Leitantrags zum 22. Parteitag sah der Parteivorstand für sich die Aufgabe, „die konkrete Kampfetappe genau zu bestimmen, daraus unsere grundsätzliche Strategie abzuleiten und zu überprüfen, ob die AMS und der Kampf um eine Wende, also der Kampf um das Herauskommen aus der Defensive, in der sich die Arbeiterbewegung nicht nur unseres Landes seit den 70er/80er Jahren befindet, ihre Gültigkeit hat“. (UZ 11.8.2017) Wir halten aus dieser Analyse heraus an den Grundsätzen der AMS fest. Der Hauptstoß muss gegen die Monopole und den Stamokap-Staat gehen. Und in diesem Kampf gilt es, nach Wegen der Heranführung an die proletarische Revolution zu suchen.
Bei den Kritikern der AMS vermisse ich die Dialektik und die Alternative. Oder ist der in der „Erläuterung zum Antrag für eine alternative Satzung“ der SDAJ angedeutete „Frontalangriff auf die Zentren der Macht“ als Strategie gedacht?
In Lenins Schrift „Der ‚Linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus“ lese ich folgendes Zitat einer „linken“ Kommunistin namens Sylvia Pankhurst: „Die Kommunistische Partei darf keine Kompromisse eingehen … Sie muss ihre Lehre rein und ihre Unabhängigkeit vom Reformismus unbefleckt erhalten. Ihre Mission ist es, ohne haltzumachen oder vom Wege abzubiegen, direkt zur Kommunistischen Revolution vorwärtszuschreiten.“ Lenin schreibt dazu: „Es ist doch unmöglich, dass die deutschen Linken nicht wissen, dass die ganze Geschichte des Bolschewismus, sowohl vor als auch nach der Oktoberrevolution, voll ist von Fällen des Lavierens, des Paktierens, der Kompromisse mit anderen, darunter auch mit bürgerlichen Parteien! Krieg führen zum Sturz der internationalen Bourgeoisie, ein Krieg, der hundertmal schwieriger, langwieriger, komplizierter ist als der hartnäckigste der gewöhnlichen Kriege zwischen Staaten, und dabei im voraus auf das Lavieren, auf die Ausnutzung von (wenn auch zeitweiligen)Interessengegensätzen zwischen den Feinden, auf Übereinkommen und Kompromisse mit möglichen (wenn auch zeitweiligen, unbeständigen, schwankenden, bedingten) Verbündeten verzichten – ist das nicht über alle Maßen lächerlich? Ist das nicht dasselbe, als wollte man bei einem schwierigen Aufstieg auf einen noch unerforschten und bisher unzugänglichen Berg von vornherein darauf verzichten, manchmal im Zickzack zu gehen, manchmal umzukehren, die einmal gewählte Richtung aufzugeben und verschiedene Richtungen zu versuchen? (…) Einen mächtigeren Gegner kann man nur unter größter Anspannung der Kräfte und nur dann besiegen, wenn man unbedingt aufs angelegentlichste, sorgsamste, vorsichtigste, geschickteste sowohl jeden, selbst den kleinsten „Riss“ zwischen den Feinden, jeden Interessengegensatz zwischen der Bourgeoisie der verschiedenen Länder, zwischen den verschiedenen Gruppen oder Schichten der Bourgeoisie innerhalb der einzelnen Länder (…) ausnutzt (…).“
Die grundsätzliche, unbedingte Ablehnung der AMS an sich halte ich für eine undialektische Verabsolutierung der Form. Lenin betont immer wieder die Notwendigkeit, eine bestimmte historische Situation konkret zu analysieren und nach allseitiger Betrachtung daraus die notwendige Strategie zu entwickeln. Man muss es verstehen, die Taktik „so anzuwenden, dass sie zur Hebung und nicht zur Senkung des allgemeinen Niveaus des proletarischen Klassenbewusstseins, des revolutionären Geistes, der Kampf-und Siegesfähigkeit beiträgt“.


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