Sozialer Frieden gestört

Griechenland: Gewerkschaftliche Kämpfe nehmen wieder zu
Von Olaf Matthes
|    Ausgabe vom 4. Dezember 2015

Der Lebensmittelhersteller Zouras hatte Beschäftigte entlassen und war mit der Lohnzahlung in Verzug. Bereits im August waren die Beschäftigten in verschiedenen Betrieben des Unternehmens im ganzen Land in den Streik getreten. Sie hatten einen ersten Teilerfolg erzielt.

Seit Mitte November streikten sie wieder, sie fordern, dass das Unternehmen die Entlassungen rückgängig macht, die ausstehenden Löhne auszahlt, für die Arbeitssicherheit sorgt. Am 19. November schickte die Geschäftsleitung Streikbrecher in einen ihrer Betriebe, die von bewaffneten Sicherheitsleuten durch die Streikposten gebracht wurden. Die Arbeiter protestierten, die Polizei verhaftete den Gewerkschaftsvorsitzenden – „Verleumdung“ war der Vorwurf. Der Kollege wurde bald wieder freigelassen, der Streik ging weiter.

Am 21. November, am frühen Morgen, rückte die Polizei vor der Zouras-Geflügelzucht in Thessaloniki an. Die Gewerkschafter des Betriebes standen auf Streikposten, Kollegen aus einem anderen Betrieb desselben Unternehmens waren zur Unterstützung gekommen. Die Polizei verhaftete 28 Streikende, vier von ihnen gehören der örtlichen Leitung des zuständigen Gewerkschaftsverbandes an. „Die Arbeiter von Zouras fordern die Zahlung ausstehender Löhne und dafür werden sie, schon seit Monaten, von der Syriza-Regierung wie Verbrecher behandelt“, erklärte die Gewerkschaftsfront PAME nach dem Angriff der Polizei. Die Behörden werfen den Verhafteten „Gewalt“ und „Störung des sozialen Friedens“ vor.

Die Gegenwehr in Griechenland nimmt wieder zu. Streiks und Proteste, aber auch Versammlungen, auf denen die Beschäftigten über die Organisierung des Widerstandes diskutieren, finden im ganzen Land statt. Am 12. November fand der letzte Generalstreik statt, für Donnerstag, den 3. Dezember, hat PAME wieder zum landesweiten Generalstreik aufgerufen.

Währenddessen fanden in verschiedenen Gewerkschaftsgliederungen die Wahlen der Leitung statt. Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) schätzte ein, dass bei diesen Wahlen „die klassenorientierten Kräfte gestärkt worden sind“. In den Wahlen des „Arbeitszentrums“ von Thessaloniki, dem Zusammenschluss aller Gewerkschaften des Stadtgebietes, erhielt die von PAME unterstützte Liste „Arbeitereinheit“ 27,5 Prozent der Stimmen, nun hat sie neun Sitze im Vorstand, vorher waren es acht. Sie lag damit an zweiter Stelle, obwohl es Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen gegeben hatte.

Bereits Mitte November hatten die Behörden Polizisten gegen streikende Arbeiter geschickt. Bei „General Recycling“ in Ioannina, im Nordwesten Griechenlands, streikte die Belegschaft gegen Lohnkürzungen und Entlassungen. Die Polizisten nahmen Streikposten fest, am 11. November setzten sie auch Tränengas ein. Der Streik ging weiter, PAME und die örtliche Bevölkerung organisierten Solidarität. Nach drei Wochen Streik nahm die Geschäftsleitung 17 Entlassungen zurück.


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