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Mordfall Bektas

|    Ausgabe vom 22. Januar 2016

Die „Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektas“ hat sich für die Einsetzung neuer Ermittler in besagtem Fall ausgesprochen. Zur Erinnerung: Bektas, der zum Tatzeitpunkt erst 22 Jahre alt war, war in der Nacht vom 4. auf den 5. April 2012 in der Nähe des Krankenhauses Neukölln auf offener Straße von einem Unbekannten erschossen worden. Zwei seiner Freunde, mit denen er damals unterwegs war, wurden bei dem damaligen Mordanschlag vom gleichen Täter niedergeschossen, überlebten den Angriff jedoch.

Bereits mehrfach hatten sowohl die „Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektas“ als auch die Opferberatungsstelle „Reach Out“ auf mögliche Verstrickungen von Neonazis hingewiesen. Die Ermittlungsbehörden weigerten sich jedoch bisher, den Angehörigen und ihren Unterstützern Informationen über den genauen Stand der Ermittlungen zukommen zu lassen.

Auch der Fall des ebenfalls in Neukölln erschossenen Luke Holland, für den der derzeit inhaftierte Rolf Z. verantwortlich gemacht wird, wirft nach wie vor Fragen auf. Gemutmaßt wird, ob Z. auch für den Mord an Bekta? verantwortlich sein könnte. Erst kürzlich hatten sich die Familien der beiden Ermordeten gemeinsam mit ihren Anwälten Ogün Parlayan, Mehmet Daimagüler und Onur Özata an die Öffentlichkeit gewandt. Die Initiative unterstützte die dort gestellten Forderungen nach bundesweiten Ermittlungen und der Übertragung des Falls an die Generalbundesanwaltschaft.

Außerdem übte die Initiative scharfe Kritik an Staatsanwalt Horstmann und den zuständigen Polizeistellen bezüglich der bisherigen Ermittlungen. In einem bereits vom 23.7.2014 stammenden Schreiben an die Anwälte der Familie Bektas hatte der zuständige Staatsanwalt und Leiter der Ermittlungen, Dieter Horstmann, auf Anfrage mitgeteilt, dass keine Operationale Fallanalyse (OFA) durchgeführt wurde, da der Fall dafür „nicht geeignet“ scheine. In dem Teil der Akten, der den Anwälten erst später zugänglich gemacht wurde, befindet sich jedoch eine OFA, in der ein rechtsextremes Motiv als mögliche Tatversion genannt wird.

„Wir fragen uns, wie es zu dieser Falschaussage des Staatsanwalts Horstmann kommen konnte. Entweder hat er schlicht keine Ahnung, was in der Akte steht, oder er leugnet aktiv die Existenz der Operativen Fallanalyse. In beiden Fällen handelt es sich um einen Skandal sondergleichen, der eine Eignung des Staatsanwalts für diesen Fall mehr als fraglich erscheinen lässt“, kritisierte Ulrike Schmidt, Sprecherin der Initiative, daraufhin.

Auch in den Ermittlungen zu den Morden des NSU wurde eine Operative Fallanalyse, die einen rechtsextremen Hintergrund der Taten als These formulierte, von den ermittelnden Behörden ignoriert. Der Umgang mit der OFA im Fall Burak zeige damit nicht nur klare Parallelen zu den Ermittlungen bezüglich der NSU-Morde. „Er verdeutlicht zudem, dass die Ermittlungsbehörden keine Konsequenzen aus ihrem Versagen bezüglich des NSU gezogen haben“, so Schmidt weiter.

Einer der Freunde Buraks, der die Tat schwer verletzt überlebt hatte, hatte außerdem vor mehreren Wochen von der Berliner Polizei eine Gegenüberstellung mit dem im Fall Luke H. festgenommenen Verdächtigen Rolf Z. verlangt, nachdem bekannt geworden war, dass dieser auch in der Akte zum Fall Bektas auftaucht. Diese Gegenüberstellung wurde von der Polizei mit der Begründung abgelehnt, dass in den Zeugenaussagen im Fall Bektas der Täter keinen Bart getragen hätte. Diese skandalöse Begründung wiederholte die Berliner Polizei auch gegenüber den Anwälten. Die Initiative kritisierte das Vorgehen der Behörde nicht nur als einen „Schlag ins Gesicht der Überlebenden und der Angehörigen des ermordeten Burak Bektas, sondern sieht darin auch den Unwillen der Berliner Ermittlungsbehörden verdeutlicht.


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Leserbrief zu »Mordfall Bektas«, UZ vom 22. Januar 2016





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