Gegenbewegung nicht vorangekommen

Von Wolf Goehring, Bonn
|    Ausgabe vom 11. März 2016

Die aktuelle Misere, die Lucas Zeise beschreibt, stand bereits auf der Agenda der geistig-moralischen Wende Kohls und seiner Wirtschaftsfreunde: durch neue Gesetze wurden Zeit- und Werkverträge sowie Leiharbeit in großem Umfang möglich. Wer seinerzeit vor dreißig Jahren durch die Ritzen des nationalen Grenzzauns lugte, konnte beispielsweise in Spanien mehr als 30 Prozent der Arbeitsverträge als befristet wahrnehmen. Wem geläufig war, wie sich die Bourgeoisie aller Länder in der „Verwaltung ihrer gemeinschaftlichen Geschäfte“ vernetzt, wie sie „durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet“, der konnte sich ausmalen, dass jene spanischen Verhältnisse hierzulande kaum ausbleiben werden. Die einmal vor 168 Jahren ausgerufene Gegenbewegung des „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ scheint bei den beschriebenen Spaltungen der Klasse noch nicht einmal in einem einzelnen Land vorangekommen zu sein, geschweige denn über die Landesgrenzen hinaus, außer durch Grußadressen auf befreundeten Parteitagen. (…)


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu Artikel »Gegenbewegung nicht vorangekommen«, UZ vom 11. März 2016





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.