Tarifrunde im Baugewerbe

Die Erwartungen für die Bauwirtschaft sollen sich beim Lohn widerspiegeln
Von Siggi Baumeister
|    Ausgabe vom 8. April 2016
 (Foto: berggeist007/pixelio.de)
(Foto: berggeist007/pixelio.de)

Die erste Verhandlungsrunde in den Tarifverhandlungen für die rund 785 000 Beschäftigten im Baugewerbe blieb am 15. März 2016 ohne Ergebnis. Nach intensiver Diskussion vertagten die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und die Arbeitgeberverbände, Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) sowie Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), die weitere Verhandlung auf den 5. April 2016 in Berlin.
„Statt uns ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen, haben die Arbeitgeber uns lang und breit zu erklären versucht, warum unsere Forderung zu hoch sein soll“, sagte der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende und Verhandlungsführer Dietmar Schäfers. „Es ist ihnen aber nicht gelungen, den Widerspruch zwischen ihren eigenen sehr guten Erwartungen für die Bauwirtschaft und ihrer Weigerung einer kräftigen Lohnerhöhung aufzulösen. Die Beschäftigten haben eine faire Beteiligung an der sehr guten Entwicklung verdient und erwarten diese auch.“
Die IG BAU fordert für die Beschäftigten am Bau ein Plus von 5,9 Prozent für einen Zeitraum von zwölf Monaten. Zudem müssen die Rahmenbedingungen der Branche verbessert werden. Dazu zählt, dass künftig der Arbeitgeber Unterkünfte für weit entfernte, auswärtige Baustellen stellt und bezahlt sowie, dass der 24. und 31. Dezember bei vollen Bezügen arbeitsfrei werden.
Für Auszubildende fordert die IG BAU monatlich hundert Euro mehr in jedem Ausbildungsjahr und die Übernahme der Fahrt- und Übernachtungskosten im Rahmen des Berufsschulunterrichts. Ein akutes Thema ist für die IG BAU,seit über 20 Jahren, der Lohnunterschied Ost – West. Diesen will die IG BAU mit konkreten Angleichungsschritten in den nächsten Jahren verringern. Der Forderungskatalog der IG BAU zur aktuellen Tarifrunde 2016 ist für die Beschäftigten in der Bauwirtschaft attraktiv, er zeigt tarifpolitische Perspektiven auf, gerade in einer Branche die durch Werkverträge, Dumpinglöhne und wirtschaftliche Turbulenzen in den letzten Jahren arg gebeutelt wurde. Die Auftragsbücher der Arbeitergeber sind zum wiederholten Mal gut gefüllt. Die Baubranche boomt. Ein Boom der an der IG BAU vorbei gegangen ist, im Baugewerbe hat die IG BAU den schlechtesten Organisationsgrad in der Geschichte der Baugewerkschaft. Bei den wenigen „Baugiganten“ wie Strabag, Hochtief, Max Bögl, Züblin konnte der Organisationsgrad der Beschäftigten nicht gehalten werden. Da stellt sich schnell die Frage: Wer soll mit der IG BAU eine Tarifauseinandersetzung führen?
Dem Vorstoß der Bauindustrie, Geflüchtete als Dauerpraktikanten ohne Anspruch auf den tariflichen oder auch nur den gesetzlichen Mindestlohn zu beschäftigen, lehnt die IG BAU kategorisch ab. „Der Ansatz, Geflüchtete möglichst schnell in Deutschland zu integrieren, ist richtig. Aber die Idee der Bauindustrie liegt völlig neben der Spur. Sie läuft darauf hinaus, Menschen in Not gegen hiesige Beschäftigte auszuspielen. Damit gelingt keine Eingliederung in unsere Gesellschaft“, sagte Schäfers. „Jeder Beschäftigte hat Anspruch auf faire Arbeit. Dazu gehört am Bau selbstverständlich der tarifliche Mindestlohn als Untergrenze. Dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar.“


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