Die „Bunte Revolution“

Mazedonien: Studierende begehren gegen die konservative Regierung auf
Von Mosa Markovic
|    Ausgabe vom 20. Mai 2016

Mitte April amnestierte der mazedonische Präsident Gjorge Ivanov 56 Strafgefangene, vor allem aus der Politik. Diese Personen waren in den vergangenen Jahren wegen Korruption, schwerer Straftaten und Wahlbetrug verurteilt worden. Ivanov gehört der konservativen Regierungspartei VMRO an.

Daraufhin ergriffen Studierende in Skopje und anderen Universitätsstädten die Initiative. Seither organisieren sie klassen- und generationenübergreifende Großdemos gegen Staat und Regierung. Ihre Bewegung tauften sie daher auf den Namen „Bunte Revolution“. Abgesehen von der Amnestie kommen noch soziale Missstände dazu, gegen die das lose Bündnis in ganz Mazedonien protestiert. Diese „bunte Revolution“ nennt sich auch deshalb so, weil sie mit Farbbomben staatliche Einrichtungen bewirft. Das Zentrum der mazedonischen Hauptstadt, welches von einem millionenschweren, kitschigen Bauprojekt („Skopje 2014“) dominiert wird, ist von bunten Klecksen überzogen, wo die Wasserwerfer der Polizei sie nicht weggespült haben.

Die Studierenden verlangen auch die Aufklärung des Mordes an Martin Neškoski, der im Juni 2011 22-jährig starb. Hierfür machen sie Igor Spasov verantwortlich, damals 33 Jahre alt. Spasov war Mitglied der Sonderpolizeieinheit Tigri, Neškoski für seine Kritik an der Exekutive bekannt. Das Innenministerium versuchte in jenem Sommer, durch spektakuläre Razzien und Vertuschungsaktionen Spasov zu schützen. Auch damals führten junge Menschen die Proteste an.

Studierende sind neben unabhängigen Gewerkschaften die treibende Kraft sozialen Widerstands im ehemaligen Jugoslawien. So besetzten 2011 Philosophie-Studierende in Belgrad aufgrund der Hochschulpolitik Serbiens ihre Fakultät. Die Aktion griff auf ganz Serbien, Kroatien und Montenegro über. In Bosnien waren Universitätsangehörige 2014 in den basisdemokratischen „Plena“, den größten Demos seit Kriegsende, maßgeblich involviert.


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