Protest der 9 000

Stahlarbeiter demonstrieren in Duisburg gegen Thyssen-Krupp-Pläne
Von Dietmar Breme
|    Ausgabe vom 9. September 2016
Aktionstag bei ThyssenKrupp Steel am 31.8.2016 (Foto: Ulrike Reinker/IG Metall)
Aktionstag bei ThyssenKrupp Steel am 31.8.2016 (Foto: Ulrike Reinker/IG Metall)

9000 Stahlarbeiter demonstrierten am 31. August in Duisburg für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Sie demonstrierten auch gegen den Plan von Thyssen-Krupp, den Konzern umzustrukturieren und/oder die Stahlsparte mit einem anderen Stahlkonzern zu fusionieren. Der Stahlbereich wird vom Konzernchef Heinrich Hiesinger in Frage gestellt. 1,6 Mrd. Euro sollen in den nächsten fünf Jahren eingespart werden. Hiesinger spricht von „Wertlücken“, die geschlossen werden müssen, zu hoch seien die Personalkosten.
Unterstützt wurde dieser zweite Aktionstag der IG Metall am 31. August nicht nur von Beschäftigten der Standorte von „Thyssen-Krupp Steel Europe (TKSE)“, sondern auch von Vertretern diverser Konzerntöchter, z. B. von „Electrical Steel“, „Mill Services“ und „Aufzüge“. Rückendeckung gab es von Kolleginnen und Kollegen anderer Firmen, so der Dillinger Hütte, Arcelor-Mittal, Mannesmann, Salzgitter, Daimler Düsseldorf und Opel Bochum, um nur einige Delegationen zu nennen.
IG-Metall-Bezirksleiter Knut Giesler stellte fest, dass fünf Monate vorher, beim bundesweiten Stahlaktionstag, fast 50000 Stahlkocher Seite an Seite mit dem Vorstand von Thyssen-Krupp und den Spitzen der deutschen Stahlindustrie für die Zukunft der Stahlindustrie protestiert hatten. Nun konfrontieren die Thyssen-Krupp-Bosse die Belegschaften mit dem möglichen Aus vieler Standorte – nicht nur in NRW.
Die Aussage des Finanzvorstands von Thyssen-Krupp, Guido Kerkhoff, die Beschäftigten müssten „auch mal eine längere Periode der Unsicherheit aushalten“, stieß auf Empörung. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und frühere IG-Metall-Chef Detlef Wetzel sagte, dass die Stahlsparte von Thyssen-Krupp als Wertevernichter im Konzern bezeichnet werde“, sei ein Skandal. TKSE sei vielmehr „eines der erfolgreichsten Stahlunternehmen der Welt“.
Was Hiesinger angekündigt hat, wird bei uns bereits umgesetzt, wird der Betriebsratsvorsitzende von TKSE-Hüttenheim, Werner von Häfen, zitiert. Bei uns sind schon die ersten Unternehmensberater in der Bude. Betriebsräte der Werke in Bochum und Duisburg-Hüttenheim befürchten sogar Werksschließungen.
Egal, wie die Umstrukturierungsmaßnahmen aussehen werden, egal, mit wem eine Fusion angestrebt werden soll, es drohen kräftige Einschnitte und der Verlust zehntausender Arbeitsplätze.
Die Thyssen-Krupp-Stahlsparte mit 27000 Mitarbeitern ist jedenfalls in großer Gefahr. Obwohl es die Zusage des Konzerns gibt, dass bis 2020 keine Stahlstandorte geschlossen werden und es keine „betriebsbedingten Kündigungen“ gibt, teuer erkauft durch die Belegschaften, ist die Verunsicherung und Angst bei den Stahlkochern spürbar.
Dass an einem solchen Tag voller Emotionen und Ängste der Aufsichtsrat zusammenkommt ist sicherlich nicht ungewöhnlich. Dass dieses Gremium aber noch am gleichen Tag beschlossen hat, grundsätzlich die Umstrukturierungspläne der Stahlsparte von Thyssen-Krupp mittragen zu wollen, ist eine schallende Ohrfeige für alle Kolleginnen und Kollegen, die von diesen menschenverachtenden Plänen betroffen sind. Die Stahlarbeiter, nicht nur an Rhein und Ruhr, wollen keine Umstrukturierung der Stahlsparte. Sie wollen keine Fusionen, weder mit Tata-Steel noch mit Salzgitter. Sie wollen den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und Perspektiven für sich und eine sichere Zukunft für ihre Familien.


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Leserbrief zu »Protest der 9 000«, UZ vom 9. September 2016





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