Internationales Klassenkämpfertreffen

17. Kongress des Weltgewerkschaftsbundes in Durban, Südafrika
Von Georges Hallermayer
|    Ausgabe vom 21. Oktober 2016

( WFTU)

Der Gewerkschaftsverband COSATU, der Teil des Regierungsbündnisses in Südafrika ist, hat sich selbst mit der Ausrichtung des 17. Kongresses des Weltgewerkschaftsbundes (WGB) ein Geschenk zu seinem 30-jährigen Bestehen gemacht. Über 1 500 Delegierte aus aller Welt waren gekommen – doppelt so viele wie zum 16. Kongress 2011 in Athen.
Charles Hoareau, der in ganz Frankreich bekannte Führer der Arbeitslosenkomitees der Gewerkschaft CGT in der Region Marseille, schrieb in seinem Bericht, dass er überrascht war von den vielen Transparenten und Plakaten auf den Straßen, die zur Begrüßung der internationalen Kongress-Delegierten aufgehängt worden waren.
Der COSATU-Vorsitzende eröffnete als Gastgeber protokollgemäß, begann jedoch mit einem Arbeiterlied in Zulu – der riesige Saal bebte. In seiner kurzen Ansprache, in der er den Kapitalismus und den Imperialismus geißelte, begründete er die Mitgliedschaft COSATUs im IGB (dem reformistisch ausgerichteten Internationalen Gewerkschaftsbund) historisch mit der Geschichte des Kampfes gegen die Apartheid. Ob der IGB eine Doppelmitgliedschaft tolerieren wird, muss sich erst noch zeigen.
Auch der südafrikanische Staatspräsident Jacob Zuma erhielt Gelegenheit, sich für die erwiesene Solidarität des WGB im Kampf gegen die Apartheid zu bedanken. Zum Motto des Kongresses „Klassenkampf – Internationalismus – Einheit“ hatte er zu sagen, dass nach dem Kampf Nummer 1, sich von Apartheid zu befreien, Kampf Nummer 2 komme: Für die sozial-ökonomische Befreiung.
1 500 Delegierte, davon 340 Frauen, die 149 Gewerkschaften mit fast 80 Millionen Mitgliedern aus 111 Ländern vertraten, kamen in Durban zusammen. Der WGB konnte 14 Millionen Mitglieder hinzugewinnen, das ist ein Plus von 18 Prozent in fünf Jahren. 69 Prozent der Delegierten kamen aus der Privatwirtschaft, 31 Prozent aus dem öffentlichen Sektor.
Nach dem Rechenschaftsbericht umriss Georgios Mavrikos, der alte und neue Vorsitzende des WGB, die politischen Schwerpunkte. In seiner Analyse der internationalen Klassenkämpfe hob er die normalen Grausamkeiten der Ausbeutung in einer von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägten Welt hervor. Allein die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle bezifferte er mit 2,3 Millionen.
Mavrikos verurteilte in seiner Rede die Politik des sozialdemokratisch dominierten IGB, der jegliche Zusammenarbeit verweigere, und auch Georges Hoareau vermerkt in seinem Bericht, dass die französische CGT die Solidarität des IGB in ihrem Kampf gegen die Aushöhlung des Arbeitsrechts vermisse. Der WGB-Vorsitzende betonte die finanzielle Unabhängigkeit des WGB, die sich ausschließlich auf Beiträge der Mitgliedsgewerkschaften stütze – im Unterschied zum IGB, der „starke Subventionen kapitalistischer Institutionen“ erhalte. Die IGB-Positionen zu Libyen, Palästina, Irak, Mali kommentierte Mavrikos mit: „Überall ist er mit dem Imperialismus.“ Er verurteilte darüber hinaus die Bemühungen des IGB, den arabischen Verband CISA aufzulösen, im Gegensatz dazu unterstütze der WGB den Verband.
Pseudo-NGOs warf Mavrikos vor, dass sie „in ihrer Mehrheit Instrumente des Imperialismus“ seien und erinnerte daran, dass die UNO in acht Jahren 25 Resolutionen zu Palästina beschloss, die alle nicht umgesetzt wurden, die zu Libyen aber sofort.
Trotz der Stärke des Imperialismus haben die klassenkämpferischen Gewerkschaften seit ihrem Kongress 2005 in Havanna international an Bedeutung gewonnen. Das Ziel des WGB für die nächsten fünf Jahre ist, die Mitgliederzahl auf über 100 Millionen zu steigern. Das politische Gewicht hat sich von Europa nach Asien, Afrika und Lateinamerika verschoben. Eine Initiative des WGB, das „Internationale Gewerkschaftsforum“, zeugt davon. Es wird von ACFTU (Dachverband der chinesischen Gewerkschaften), CISA (Internationale Konföderation arabischer Gewerkschaften), und OUSA (Organisation der afrikanischen Gewerkschaftseinheit) alle zwei Jahre organisiert. Das in diesem Jahr in Peking stattfindende Forum dient vor allem dem Erfahrungsaustausch und der weiteren Vernetzung bestehender regionaler Strukturen. Die Gründungen von Regionalbüros in den USA/Kanada und Südafrika – für den englischsprachigen Teil Afrikas – und in Gabun – für den französischsprachigen Teil – sollen weitere Impulse geben.
Georgios Mavrikos wandte sich zum Schluss an die afrikanischen Kollegen mit dem Versprechen, der WGB werde an ihrer Seite kämpfen, und an die junge Generation: „Ihr müsst an die Sache der Arbeiterklasse glauben, an unsere Rechte, unsere Ziele, diese Überzeugung führt uns wagemutig in den Kampf, macht uns stark.“


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Leserbrief zu Artikel »Internationales Klassenkämpfertreffen«, UZ vom 21. Oktober 2016





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