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Strategisches Hinterland

Die NATO-Osterweiterung macht Etappe in Dülmen
Von Jördis Land
|    Ausgabe vom 11. November 2016
Die US-Armee sucht eine gute Verkehrsanbindung für den Aufmarsch gegen Russland – hier ein Panzer bei einer Übung in Friedberg, Hessen. (Foto: gemeinfrei)
Die US-Armee sucht eine gute Verkehrsanbindung für den Aufmarsch gegen Russland – hier ein Panzer bei einer Übung in Friedberg, Hessen. (Foto: gemeinfrei)

Im September 2016 hat sich die Britische Armee aus den „Tower Barracks“ in Dülmen/Westfalen zurückgezogen. Auf 46 Hektar hatte sie dort ihr größtes Materiallager unterhalten mit 70 Lagerhallen, Unterkunfts- und Bürogebäuden. Es soll nun zu einem der wichtigsten Materiallager der US-Armee werden. Die Öffentlichkeit wird nur nachträglich und tröpfchenweise darüber informiert.
Regionale Pläne für die zukünftige Verwendung als ziviles Logistikzentrum wurden schnell unter den Tisch gekehrt, als die US-Armee ihr Interesse an dem Gelände bekundete. Es war zunächst in den Besitz der „Bundesanstalt für Immobilienaufgaben“ (Bima) übergegangen, welche bundeseigene Immobilien möglichst wirtschaftlich verwalten soll. Bima teilte den örtlichen Instanzen dann mit, das Bundesverteidigungsministerium habe den Bedarf der US-Streitkräfte positiv geprüft. Damit bestehe nach dem Zusatzabkommen zum NATO-Truppenstatut eine Verpflichtung des Bundes, diesen in den Tower Barracks umzusetzen.
Damit wird das Materiallager zu einer wichtigen Etappe bei der Osterweiterung der NATO. Donald Wrenn, Sprecher der US-Armee: „Wir wollen dort kampffähiges Material lagern, das schnell überall auf dem europäischen Kontinent zum Einsatz kommen kann.“ Erste Fahrzeuge und weitere Ausrüstung sollen ab Anfang 2017 nach Dülmen gebracht werden. Was an „kampffähigem Material“ später folgt, bleibt im Dunkeln. Bürgermeisterin Lisa Stremlau sagte vor der Stadtverordnetenversammlung: „Soweit ich es verstanden habe, geht es im Moment hauptsächlich um ein Depot für Militärfahrzeuge. Munition soll hier aller Voraussicht nach aber nicht gelagert werden.“ Tatsächlich heißt das: Dülmen soll mit einem von drei großen Logistikzentralen der US-Armee in Nordeuropa zum Teil des strategischen Hinterlands für den NATO-Aufmarsch gegen Russland werden.
Die US-Armee interessiert sich für das Gelände in direkter Nähe zur Bundesautobahn A 43, weil es zusätzlich mit eigenem Gleisanschluss an die Eisenbahnstrecke Ruhrgebiet – Münster angeschlossen ist. Dort ist die sogenannte NATO-Speerspitze stationiert, die nach einem „Rapid Action Plan“ blitzschnell nach Osteuropa verlegt werden kann. Das Materiallager im benachbarten Dülmen ist also geeignet für den schnellen Transport auch schweren Geräts wie bewaffneten und gepanzerten Fahrzeugen Richtung Osten. Aber nur ein Artikel der lokalen Presse erwähnte, dass diese Maßnahme im Rahmen der „European Reassurance Initiative“ erfolgt. Diese US-Initiative sorgt seit 2014 dafür, dass die militärische Präsenz der NATO und speziell der US-Truppen auf dem Kontinent ausgeweitet wird. Ihr Budget wurde für 2017 mit 3,4 Millionen US-Dollar gegenüber 2016 vervierfacht.
Das soll ermöglichen, mehr Einheiten aus den USA nach Europa rotieren zu lassen, die Kampffähigkeit der Verbündeten und Partner zu verbessern, mehr und moderneres Kriegsgerät entlang der NATO-Ostgrenze einzulagern und die dazu erforderliche Infrastruktur auszubauen. Das Ziel sind drei voll bewaffnete Brigaden der US-Armee in Europa. Vor allem in Osteuropa sollen sich dauerhaft US-amerikanische Truppen, Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge aufhalten. Eine Stationierung widerspricht allerdings den Vereinbarungen der NATO-Russland-Akte von 1997, keine NATO-Truppen in den neuen NATO-Mitgliedstaaten im Osten zu stationieren. Pentagon-Sprecherin Laura Siegel verrät den Trick, der das trotzdem möglich machen soll: „Wir werden außerdem unsere Fähigkeit demonstrieren und trainieren, schnell Ausrüstung und Personal nach Europa zu verlegen, indem wir dort Personal mit ihrer eigenen Ausrüstung rotieren lassen, das offiziell in den USA stationiert ist. Das wird die modernste Ausrüstung sein, die die Armee gegenwärtig zu bieten hat. Damit wird im kommenden Jahr die weniger moderne Ausrüstung ersetzt, die wir bisher in Europa hatten.“
Das geht nicht ohne große Materiallager, denn dazu müssen auch mehr Waffen, Kampffahrzeuge und Vorräte nach Europa gebracht werden. Die US-Armee sucht nicht einfach nach einer Gelegenheit, um ihre Fahrzeuge unterzustellen und zu ölen. Mit dem neuen Materialdepot in Dülmen ergänzt die NATO ihre militärische Infrastruktur für die Osterweiterung und Aufrüstung der NATO.


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Leserbrief zu »Strategisches Hinterland«, UZ vom 11. November 2016





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