China auf dem zweiten Platz

Umfrage zur Rolle Chinas in Afrika
Von Georges Hallermayer
|    Ausgabe vom 11. November 2016

In den letzten zwei Jahren wurden 54000 Bürger in 36 afrikanischen Ländern von „Afrobarometer“ nach dem besten Modell für die nationale Entwicklung befragt, 24 Prozent von ihnen nannten die Volksrepublik China – die USA lag mit 30 Prozent der Befragten auf Platz 1. Nur 13 Prozent sehen die jeweilige frühere Kolonialmacht als Entwicklungsmodell, während 11 Prozent Südafrika als Vorbild sehen.
Dabei variieren die Ergebnisse nach Ländern und Regionen relativ stark. Im Süden und Norden des Kontinents liegt China mit den USA gleichauf, in Zentralafrika liegt China sogar vorne. In fünf südafrikanischen Ländern (Lesotho, Swaziland, Namibia, Malawi und Zimbabwe) ist die Republik Südafrika das Vorbild.
„Afrobarometer“, 1999 gegründet von der Michigan State University, dem Institute for Democracy in Südafrika und dem Center for Democratic Development in Ghana, hatte Ende Oktober die Ergebnisse seiner Umfrage „Perceptions of China in Africa“ veröffentlicht. Das von der Weltbank, der Mo-Ibrahim-Stiftung, der US Agency for International Development und der Schwedischen International Development Cooperation Agency in der Hauptsache gesponserte Institut brachte in seinem Bericht die Ergebnisse mit der Überschrift „Chinas wachsende Präsenz in Afrika bekommt positive Bewertungen“ heraus. Das dürfte einigen ihrer Sponsoren Kopfzerbrechen bereiten.
Den größten externen Einfluss auf ihr jeweiliges Land sprechen die Befragten im Durchschnitt mit 28 Prozent der früheren Kolonialmacht zu, dicht gefolgt von China mit 23 Prozent und den USA mit 22 Prozent (Südafrika 6 Prozent). Frankreich wird in seinen früheren Kolonien als besonders einflussreich angesehen – Côte d‘Ivoire 89 Prozent, Gabun 80 Prozent, Mali 73 Prozent – was angesichts der über 50 Militärinterventionen seit der formellen Unabhängigkeit durchaus nachvollziehbar ist.
Chinas Einfluss wird in Simbabwe am höchsten bewertet (55 Prozent), es folgen Mosambik (52 Prozent), Sudan (47 Prozent), Sambia (47 Prozent), Südafrika und Tanzania (40 Prozent). Im Durchschnitt sehen fast zwei Drittel der Afrikaner den chinesischen Einfluss positiv, während etwa 15 Prozent eine eher negative Meinung haben. Der politische und ökonomische Einfluss Chinas wird in Mali mit 92 Prozent am meisten geschätzt, gefolgt von Niger (84 Prozent) und Liberia (81 Prozent). Und Chinas Entwicklungshilfe sieht die Mehrheit der Afrikaner (56 Prozent) „als nützlich für die Bedürfnisse ihres Landes“. Auch hier große Unterschiede: In West- und Zentralafrika haben 65 und 64 Prozent eine sehr positive Einschätzung, in Ost- und Südafrika liegt diese im Durchschnitt, während Nordafrika mit nur 36 Prozent eine geringe Anzahl an positiven Bewertungen aufweist.
Als den wichtigsten Faktor für das positive Image der Volksrepublik China werden die Infrastruktur-Investitionen (32 Prozent) eingeschätzt und die Preise für chinesische Waren (23 Prozent), während die Qualität der Erzeugnisse dazu einen geringen Beitrag leistet. Politische und soziale Überlegungen spielen für Chinas Image kaum eine Rolle.


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Leserbrief zu Artikel »China auf dem zweiten Platz«, UZ vom 11. November 2016





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