In 170 Jahren sind wir gleichberechtigt

Warte nicht auf bessere Zeiten
|    Ausgabe vom 3. März 2017

Was sind Frauen wert?

Heute sind Frauen doch gleichberechtigt. Nur Einparken, das können sie einfach nicht. Aber mit Kindern und so, in der Familie, da sind sie den Männern weit überlegen. Ganz weit, weshalb sie auch besser gleich die ganze Hausarbeit übernehmen.
Wie gleichberechtigt Frauen in unserer Gesellschaft wirklich sind, sieht man immer noch am besten an der Bezahlung. In Deutschland verdienen Frauen im Schnitt 23 Prozent weniger als Männer – für die gleiche Arbeit. Gleichzeitig sind viel mehr Frauen als Männer in Niedriglohnjobs oder in Teilzeit. Da wundert man sich nicht mehr, dass reaktionäre Rollenbilder bei uns wieder an Bedeutung gewinnen.
Sie wollen sich nicht auf eine Rolle als Hausmutti oder Sexobjekt reduzieren lassen? Genauso viel verdienen wie die männlichen Kollegen? Sie finden, dass Kindererziehung auch eine gesellschaftliche Aufgabe ist?
Dann wünschen wir Ihnen alles Gute zum Internationalen Frauentag am 8. März.

Internationaler Frauentag? Was soll das denn noch? Läuft doch mit der Gleichberechtigung! Immerhin haben wir eine Bundeskanzlerin, eine Verteidigungsministerin, Männer nehmen Elternzeit und das Entgeltgleichheitsgesetz soll nun auch dafür sorgen, dass Frauen beim Gehalt nicht mehr benachteiligt werden. Es gibt also keinen Anlass mehr, am 8. März oder an anderen Tagen für die Frauenrechte auf die Straße zu gehen, oder? Schließlich regelt sich das alles doch langsam, aber sicher von allein.
Laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums zum so genannten Gender Gap werden Frauen in 170 Jahren komplett wirtschaftlich gleichgestellt sein. Alles, was wir also noch tun müssen, ist ein bisschen warten. Dumm ist nur, dass die gleiche Studie ein Jahr vorher zu dem Schluss gekommen ist, die wirtschaftliche Gleichberechtigung wäre schon in 118 Jahren hergestellt. Anscheinend gab es in einem Jahr so viele Verschlechterungen, dass die Gleichberechtigung mal eben um 52 Jahre nach hinten verschoben wurde. Deutschland rutschte im Ranking von Platz 5 auf Platz 13 – unsere Chancen gleich behandelt zu werden, sind also allein im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Die Studie beurteilt vier Aspekte: Gesundheit und Überlebenschance, Bildungsweg, politische Teilhabe und wirtschaftliche Chancen. Deutschland konnte sich nur mit einem Punkt einen vorderen Platz unter den 144 untersuchten Ländern sichern. Bei der Chancengleichheit in der Bildung reichte es nur für Platz 100, bei der Gesundheit für 54, bei den wirtschaftlichen Chancen für Rang 57. Allein bei der politischen Teilhabe landet Deutschland auf Platz 10. Hier wird ausgewertet, wie viele Kabinetts- und Parlamentssitze Frauen inne haben. Das scheinen in Deutschland – zumindest im Vergleich – ziemlich viele zu sein. Und was nützt es? Nichts. Trotz vieler Politikerinnen werden unserer Rechte nicht erweitert, sondern mehr und mehr beschnitten. Wir Frauen tragen nach wie vor die Hauptlast in der Pflege von Kindern und Angehörigen, werden schlechter bezahlt als Männer und haben auch im Jahr 2017 noch immer schlechtere Bildungschancen.
Läuft also doch nicht mit der Gleichberechtigung. Deswegen müssen wir am 8. März, aber nicht nur dann, unsere Forderungen lautstark auf die Straße bringen. Wenn wir uns nicht bewegen, werden wir auch in 170 Jahren noch nicht gleichberechtigt sein!

Was sind Frauen wert?

Heute sind Frauen doch gleichberechtigt. Nur Einparken, das können sie einfach nicht. Aber mit Kindern und so, in der Familie, da sind sie den Männern weit überlegen. Ganz weit, weshalb sie auch besser gleich die ganze Hausarbeit übernehmen.
Wie gleichberechtigt Frauen in unserer Gesellschaft wirklich sind, sieht man immer noch am besten an der Bezahlung. In Deutschland verdienen Frauen im Schnitt 23 Prozent weniger als Männer – für die gleiche Arbeit. Gleichzeitig sind viel mehr Frauen als Männer in Niedriglohnjobs oder in Teilzeit. Da wundert man sich nicht mehr, dass reaktionäre Rollenbilder bei uns wieder an Bedeutung gewinnen.
Sie wollen sich nicht auf eine Rolle als Hausmutti oder Sexobjekt reduzieren lassen? Genauso viel verdienen wie die männlichen Kollegen? Sie finden, dass Kindererziehung auch eine gesellschaftliche Aufgabe ist?
Dann wünschen wir Ihnen alles Gute zum Internationalen Frauentag am 8. März.


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Leserbrief zu »In 170 Jahren sind wir gleichberechtigt«, UZ vom 3. März 2017





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