Tanz auf dem Vulkan zu Büchel

Von Tobias Kriele
|    Ausgabe vom 30. Juni 2017
 (Foto: Tom Brenner)
(Foto: Tom Brenner)

Die Ausblicke sind weit, fast unendlich. Sanft schlagen die Hügel Wellen, jahrmillionenalte Vulkane liegen friedlich neben klaren Seen, hier Maare genannt, lustige Schwalben kreuzen den windstillen Himmel: Die Eifel lädt an diesem Sommertag zum Spazierengehen ein.
Mitten in die die Eifelaner Beschaulichkeit hat die Luftwaffe ihren Stützpunkt Büchel hinein gerammt und lässt von dort ihre Tornados starten, um das Abwerfen von Atombomben zu üben. Atombomben? In Deutschland? - Ganz recht, in Büchel lagern in Bunkern, zu denen nur US-Militärs Zugang haben, zwanzig Atombomben vom Typ B61. Im Fall eines Krieges sollen deutsche Piloten im Rahmen der sogenannten „Atomaren Teilhabe“ die Massenvernichtungswaffen abwerfen. Das ist illegal und völkerrechtswidrig, ein zahnloser Bundestagsbeschluss aus dem Jahr 2010 zur Ausweisung dieser Waffen ändert daran nichts. Mehr noch, derzeit wird in den USA die „Modernisierung“ der B61 vorangetrieben, die damit zur ersten GPS-gelenkten Atomwaffe im US-Arsenal würde. Tatsächlich handelt es sich um die Entwicklung einer neuen Bombe, einer Angriffswaffe. Das idyllische Büchel ist der Schauplatz einer den Weltfrieden bedrohenden atomaren Aufrüstung.

Die Bundesregierung und ihre exekutiven Organe wollen in dieser Sache tunlichst öffentlichen Aufruhr vermeiden und stecken deshalb in einer Klemme, was die Aktionen des Bündnis „Büchel Atomwaffenfrei“ angeht. Das war unser Kalkül in der Mobilisierung zu unserem Beitrag unter dem Motto „Büchel dichtmachen“ vom 22.-25. Juni 2017. Schon im letzten Jahr hatte die DKP angekündigt, in 2017 die Militärbasis durch Sitzblockaden zu blockieren. Nachdem wir am Donnerstag unser Protestcamp in Sichtweite des Haupttors errichtet hatten, berieten wir das gemeinsame Vorgehen. Am Freitagmorgen um Punkt sechs Uhr in der früh begannen wir mit der Vollblockade aller für Straßenfahrzeuge zugänglichen Tore der Militärbasis. Rund um den Luftwaffenstützpunkt ging nichts mehr. Die PKWs von bis zu 1000 zivilen und militärischen Mitarbeitern des Stützpunktes stauten sich auf den Bundesstraßen. Bundeswehr- und Polizeikräfte wirkten konfus, es dauerte zwei Stunden, bis die Kräfte zusammengezogen waren, um mit Räumung zu drohen. Die wäre schwierig geworden, waren wir doch in Log-ons, röhrenartigen Gebilden, aneinander angekettet. Aber unser Ziel hatten wir ohnehin bereits erreicht, und mit Gelassenheit nahmen wir den erteilten Platzverweis zur Kenntnis, würden doch im Laufe des Freitags neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu uns stoßen. Tatsächlich wurde am Nachmittag im Anschluss an unsere Kundgebung das Haupttor übergangsweise blockiert, unter Beteiligung der Schwesterparteien aus Luxemburg und den Niederlanden. Auch am Samstag wurden erneut alle asphaltierten Zugangswege dichtgemacht.

Die Euphorie darüber, die angekündigte Blockade der Militärbasis durchgesetzt zu haben, stand allen Genossinnen und Genossen in die Gesichter geschrieben, und den anwesenden Friedensfreundinnen und -freunden ebenfalls. Mitglieder von ATTAC, die als Teil einer großen Gruppe aus Berlin angereist waren, fassten aufgrund der Erfahrungen den Mut, sich im nächsten Jahr mit einer eigenen Blockadegruppe an den Aktionen zu beteiligen. Überall gab es viel Lob für die DKP, auch und gerade von Seiten des Bündnisses. Der DKP-Bezirk Rheinland-Pfalz hat nach Jahren wieder bewiesen, dass er in der Lage ist, politisch einzugreifen, Aktionen zu organisieren, zu mobilisieren. In diesem Sinne konnte es keinen passenderen Ort für die Konstitution des neuen rheinland-pfälzischen Landesverbandes der SDAJ geben als Büchel 2017. Wir gratulieren!

Mit Kultur vom Feinsten beschenkten uns Musikandes am Freitagabend im Scheunencafé zu Gillenfeld. Es war, als klängen im Bewusstsein um das gemeinsam Erreichte die Lieder gegen die chilenische Militärdiktatur noch eingängiger als sonst. Standing Ovations für die Künstler, Standing Ovations aber auch für unsere kleine DKP, die groß ist, wenn sie sich zu kämpfen traut, wie an jenem Juniwochenende auf den Vulkanhügeln rund um Büchel.

( Fabiano Pepe)


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Leserbrief zu »Tanz auf dem Vulkan zu Büchel«, UZ vom 30. Juni 2017





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