Aus Betriebszeitungen der DKP

Der lukrative Patient zuerst

Mehr Kranke pflegen mit weniger Personal?
Von „Rote Spritze“, Branchenaktiv Gesundheit
|    Ausgabe vom 11. August 2017

Allein 300 Pflegekräfte fehlen im Klinikum Stuttgart. Um die Patientenversorgung trotzdem in der erforderlichen Qualität aufrecht erhalten zu können, ist es leider manchmal nötig, Patienten nicht aufzunehmen und die Klinik wegen nicht belegbarer Betten (z. B. von der Notaufnahme) abzumelden.
Patienten, bei denen man das verantworten kann, werden dann zu anderen Ärzten oder Krankenhäusern in der Stadt weitervermittelt. Stimmt das. was der „Roten Spritze“ über das millionenteure Wirtschaflichkeitsgutachten von Ernst&Young zu Ohren gekommen ist? Wollen die Wirtschaftsprüfer nach ihrer Begutachtung des Klinikums wirklich vorschlagen, dass trotz weiterer Personaleinsparungen die Patientenzahl im KH bis 2025 um 19 Prozent gesteigert werden soll? Und empfehlen sie deshalb tatsächlich zum Problem Bettenkapazität die Reduktion der Abmeldungen und den Ausbau selektiver Aufnahmen bei Priorisierung am besten nach erwartetem Deckungsbeitrag?
Das wäre nichts anderes als Patienten­selektion nach Profitprinzip
Soll in Zukunft also in jedem Untersuchungszimmer der Ambulanzen eine Preisliste bzw. DRG-Erlösliste hängen, damit der ärztliche Dienst oder gar die Triagschwester die Fälle, die nix bringen, gleich weiterschicken und die einträglichen Patienten dabehalten kann?
Wollen die Gutachter wirklich
• Einsparungen von Pflegestellen im Nachtdienst und auf Intensivstationen?
• Personalabbau in Patiententransport und Labor durch Privatisierungen?
• Aderlass im Reinigungsdienst von ca. 20 Stellen?

Eine Ohrfeige für die Beschäftigten des Klinikums!
Empfehlen sie tatsächlich den Gemeinderäten, über eine Änderung der Rechtsform des Klinikums nachzudenken, weil durch die finanzielle Rückendeckung und die satzungsmäßig gewährleistete Alimentierung des Gesellschafters die Motivation für Effizienz, Flexibilität und Eigenverantwortung im Handeln der Kliniken keine essentiell ausgeprägte sei?
Soll das heißen, im Klinikum traben alle noch immer zu langsam und ohne Sinn und Verstand? Eine Ohrfeige für alle, die im Klinikum für die Patienten tagtäglich alles aus sich herausholen, um eine gute Versorgung zu realisieren.
Gutachten von Wirtschaftsprüfern sind meistens gefährlich, weil sie von den Unternehmern bereitwillig aufgegriffen werden.
Es soll sogar schon vorgekommen sein, dass Unternehmer dem Berater Empfehlungen nahegelegt haben, um eine Legitimation für Maßnahmen zu bekommen, die sie selbst vorhaben.

Die Gutachten der Wirtschaftsprüfer sollten den Beschäftigten bekannt gemacht werden
Kein Problem für den, der nichts zu verheimlichen hat, sollte man meinen! Bürgermeister Föll hat längst die Pläne für eine Umwandlung des Klinikums in eine Kommunalanstalt in der Schublade. aber noch ist nichts im Gemeinderat beschlossen – noch ist es Zeit sich zu wehren, für alle, die städtische Beschäftigte bleiben und die demokratische Kontrolle über das Klinikum aufrecht erhalten wollen.


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