An Klüh ausgeliefert

Küchenpersonal in Essener Krankenhaus soll Lohnkürzung hinnehmen
Von Werner Sarbok
|    Ausgabe vom 11. August 2017

Am 26. Juni teilte die Geschäftsführung des St. Josef Krankenhauses im Essener Stadtteil Werden den 39 Beschäftigten in der Küche und Cafeteria mit, dass die Küche und die Cafeteria geschlossen werden, und überreichte ihnen die Kündigung bis zum Ende dieses Jahres. „Wir waren wie vor den Kopf geschlagen“, berichteten die betroffenen Kolleginnen und Kollegen. „Zwar gab es schon lange Gerüchte darüber, dass ein Teil der Küche geschlossen wird – aber von einer kompletten Schließung war nie die Rede.“
Zukünftig soll das Essen für die Patienten von dem Düsseldorfer Unternehmen Klüh geliefert werden. Dessen 1992 gegründete Catering-Sparte ist die „Nummer eins der Contract Caterer für Kliniken und Krankenhäuser in Deutschland“. Im Geschäftsbericht 2016 heißt es stolz: „Wir konnten 2016 zum ersten Mal in der Firmengeschichte einen Umsatz von über 700 Mio. Euro erwirtschaften. Das entspricht einer Steigerung um 12,4 Prozent, dabei wurden mehr als 2 000 neue Arbeitsplätze geschaffen.“
Gegenüber potenziellen Kunden wirbt das Unternehmen: „Mit unserem Catering-Angebot erhalten Sie ein wirtschaftliches Konzept, das Ihre Kosten spürbar und nachhaltig senken wird.“ Wie das für die 39 betroffenen Kolleginnen und Kollegen umgesetzt wird, schildern sie wie folgt: „Einen Tag später kam auch direkt eine Abordnung von Klüh zu uns und hat uns gefragt, ob wir nicht für sie arbeiten wollen; natürlich für ein paar hundert Euro weniger als jetzt und ohne dass wir wissen, in welchem Klüh-Betrieb in welcher Stadt wir eingesetzt werden.“ Die Entlassenen sollen den Preis zahlen für dieses „wirtschaftliche Konzept“, in dem die Lohnsenkung offensichtlich der Kerngedanke ist.
In einem Flugblatt fordern die Gekündigten ihre Weiterbeschäftigung: „Das St. Josef Krankenhaus ist eine Tochterfirma des Uniklinikums. Dort arbeiten viele tausend Menschen. Da soll es keinen Platz für uns 39 Leute geben? Lieber setzt man uns auf die Straße. Einige von uns sind nicht mehr jung. Vielleicht werden wir nie wieder Arbeit finden. Das nimmt die Geschäftsführung billigend in Kauf. Oder wir müssen Vogel-friss-oder-stirb die schlechten Verträge bei Klüh annehmen. Beides wollen wir nicht! Wir haben ein Recht so behandelt zu werden wie Menschen, die viele Jahre ihr Bestes für das St. Josef Krankenhaus gegeben haben. Wir fordern einen Arbeitsplatz direkt im Konzern.“
In einem Solidaritätsschreiben an die Kolleginnen und Kollegen erklärt die DKP Essen: „Wenn alles rund um die Gesundheit zur Ware erklärt wird, führt das dazu, dass ständig Personal eingespart und die Arbeit immer weiter verdichtet wird. Das betrifft alle Berufsgruppen im Krankenhaus. Wir unterstützen eure Forderung nach Erhalt eurer Arbeitsplätze im St. Josef Krankenhaus (bei gleicher Bezahlung!) und stellen uns gegen die Outsourcing- und Kündigungspolitik der Klinikleitung! Wir sammeln Unterschriften und werden euch diese zukommen lassen.“
Die Gewerkschaft ver.di hat eine Unterschriftensammlung gestartet, in dem die Forderung der 39 Entlassenen für einen Arbeitsplatz direkt im Konzern Uniklinikum unterstützt wird.


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