Ein Sturm, zwei Systeme

„Irma“ in Kuba und Florida – warum Katastrophenschutz eine Klassenfrage ist
Von om
|    Ausgabe vom 15. September 2017
Bei Gibara, im Osten Kubas: Normalerweise eine militärische Befestigung, nun werden hier Sturmflüchtlinge versorgt. (Foto: ACN, Juan Pablo Carreras)
Bei Gibara, im Osten Kubas: Normalerweise eine militärische Befestigung, nun werden hier Sturmflüchtlinge versorgt. (Foto: ACN, Juan Pablo Carreras)

Für manche reichte es, für ein paar Tage zu den Nachbarn zu gehen und dort zu übernachten. Andere Kubaner in den vom Hurrikan „Irma“ betroffenen Gebieten mussten in öffentliche Notunterkünfte ziehen. Lebensmittel, medizinische Versorgung, eine Unterkunft war für alle da – auch wenn das Dach über dem Kopf an einigen Orten nur eine Höhle war. Das Stadtzentrum von Havanna überflutet, das Verkehrswesen lahmgelegt, die Stromversorgung unterbrochen, zehn Menschen getötet – seit 1932 ist „Irma“ der erste Hurrikan der höchsten Stufe 5, der Kuba getroffen hat. In manchen Orten zerstörte der Sturm fast alle Wohnungen.
Über die Zerstörungen und Opfer, die der Sturm auf anderen Karibikinseln und im US-Staat Florida verursachte, berichteten die deutschen Mainstream-Medien ausführlich. Über die Opfer auf der sozialistischen Insel, aber auch darüber, wie der kubanische Staat seine Bürger so gut wie möglich schützte, berichtete die bürgerliche Presse nur in Halbsätzen. Eine Ausnahme war die „Basler Zeitung“: Sie stellte fest, dass die Gefahr, in Kuba durch die Verwüstungen eines Sturmes zu sterben niedriger sei als in Florida: Kuba sei „die Insel der Geretteten“.
Für Zivilschutz, Armee und Massenorganisationen hieß das: Über eine Million Menschen aus den Gefahrengebieten evakuieren und versorgen. 77 Prozent dieser Menschen konnten in Privatwohnungen untergebracht werden – ein Beweis der Solidarität des kubanischen Volkes, schätzte die Onlineplattform „Cubadebate“ ein. Vor dem Sturm sorgten die staatlichen Unternehmen dafür, dass die notwendigsten Lebensmittel bereitstehen – zum Beispiel, indem sie zusätzlich tonnenweise Kekse produzierten. Die Verteidigungsräte riefen die Bevölkerung auf, ihre Stadtteile zu sichern, Abflusswege für die drohende Flut zu säubern und alles zu entfernen, was im starken Wind zu gefährlichen Projektilen werden könnte. Die in Massenorganisationen verbundenen Menschen beteiligten sich an den notwendigen Arbeiten.
Der kubanische Präsident Raúl Castro sagte: „Ein Prinzip bleibt stets bestehen: Die Revolution lässt niemanden schutzlos zurück, und nun werden Maßnahmen ergriffen, damit keine kubanische Familie auf sich allein gestellt bleibt.“ Der Kuba-Referent von Caritas International behauptete, die Zerstörungen könnten die „ohnehin vorhandene Mangelversorgung“ weiter verschärfen, stellte aber auch fest: „Hoffnung macht uns, dass der Katas­trophenschutz auf Kuba gut funktioniert und die Menschen in Notunterkünften in der Regel relativ gut Schutz finden.“
Nun hat der Wiederaufbau begonnen. Die Blockade, mit denen der US-Imperialismus die kubanische Revolution bekämpft, hindert Kuba daran, Kredite für den Wiederaufbau aufzunehmen. Nach ersten Schätzungen könnte der Sturm Schäden im Wert von 2,2 Milliarden US-Dollar verursacht haben.
Aus Florida berichten US-Medien, dass bewaffnete Plünderer sich Schießereien mit Polizisten lieferten. Der britische „Guardian“ schreibt, dass örtliche Beamte als Folge des Sturms eine „humanitäre Katastrophe“ auf der Inselgruppe Florida Keys befürchteten.


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