Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 15. September 2017

Gezerre
Vor wenigen Tagen legten Wissenschaftler ein Zehn-Punkte-Papier vor, in dem sie sich für den Erhalt eines starken öffentlich-rechtlichen Rundfunks einsetzen, sich gleichzeitig aber für eine Reform der Anstalten aussprachen. Der Zeitpunkt zur Veröffentlichung des Briefes hängt mit den Beratungen für die neuen Rundfunkstaatsverträge zusammen, den die Bundesländer als politisch Verantwortliche in Gang setzten. „Gäbe es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht, müsste man ihn gerade jetzt erfinden“, heißt es in einem offenen Brief, den knapp 50 Experten und Medienpolitiker unterzeichnet haben. Die Reformen dürften allerdings nicht vom Sparzwang geleitet werden. Fraglich ist, ob dies der Grund dafür ist, dass die Qualität des Programms deshalb in der Kritik steht.
Interessierte Kreise, wie Hans Demmel, ntv-Chef und Vorsprecher der Privaten Anstalten, sind der Meinung: „ Eine deutliche Werbereduzierung kann das öffentlich-rechtliche Auftragsprofil schärfen, in dem es die Kommerzialisierungszwänge bei ARD und ZDF reduziert. Sie sind das Grundübel der Fehlentwicklungen im öffentlich-rechtlichen System.“ Die Wissenschaftler schlagen dagegen eine digitale Plattform für alle Angebote vor und es müsse die Diskussion geführt werden, welches der zeitgemäße Auftrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der digitalen Welt ist und es wird für eine „Demokratieabgabe“ geworben. Während die einen also Klartext reden, wollen die anderen nicht wahrhaben, wie der Auftrag der Herrschenden für ARD und ZDF gedacht und umgesetzt wird.
Gesäusel?
Soziale Ungleichheit setzt sich auch in der musikalischen Bildung fort, denn ob Jugendliche selber Musik machen, hängt entscheidend von Bildungsgrad und Einkommen der Eltern ab. So lautet das Fazit einer Studie der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, besonders wenig musikalisch aktiv sind demnach Jugendliche aus einkommensschwachen Haushalten, mit niedrigem Bildungsstatus und Migrationshintergrund. Wer hätte das gedacht, wenn der Musikunterricht an Schulen oft ausfällt oder sich aufs Singen in der Gruppe beschränkt. Das privater Unterricht, egal für welches Instrument auch immer, zwischen 20 und 25 Euro kostet und viele Stunden über Monate oder Jahre dauert, wird nicht erwähnt.
Dabei ist musikalische Bildung, ob aktiv oder nicht, ein wichtiger Teil der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen. Der Erhebung zufolge macht rund ein Viertel der 17-jährigen Jugendlichen in Deutschland Musik, was im Vergleich zu anderen OECD-Ländern deutlich zu wenige sind. Mehr als die Hälfte von ihnen pflegen hauptsächlich Rock-, Pop-, Hip-Hop- und Technomusik, ein Viertel vom Viertel beschäftigt sich mit klassischer Musik und der Rest mag Unterhaltungs- und Volksmusik.
Geschmäckle
Was sich so manche einfallen lassen, um die Bude voll zu kriegen: Die Lieder von Eric Clapton und Rod Stewart stehen nun in einem Gesangbuch, das die Evangelische Kirche in Hessen-Nassau vor kurzem neu ihren Pfarreien zukommen ließ. Rod Steward, einer mit zig-Millionen verkaufter Platten britischer Rocksänger, ist mit „Sailing“ vertreten. Im Text heißt es „Ich segele, ich segele, wieder nach Hause, über‘s Meer. Ich segele in stürmischen Gewässern, um dir nahe zu sein, um frei zu sein.“. Ob damit die Nähe zu einem Gott gemeint ist? Der Clapton-Klassiker „Tears in heaven“ wird zum Thema Sterben und Ewiges Leben empfohlen. Unter den 164 neuen Liedern ist auch die Fußballhymne „You‘ll never walk alone“, die unter Fans Kultstatus hat.


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