Leben für die Schule?

Lana Durek von der SDAJ über Leistungsdruck in der Schule
|    Ausgabe vom 15. September 2017

Endlich wieder Schule, endlich darf man sich wieder anhören, was man nicht alles für das Leben lernen soll. Und das ist viel. Und in ganz schön kurzer Zeit. Der Effekt: Wir lernen nebenbei auch schon, uns an Leistungsdruck und Konkurrenzdenken zu gewöhnen. ‚Das Leben‘, das bedeutet in dem Fall vor allem die Interessen des Kapitals. Je nach Schulform wird gelernt, was man mit seinem jeweiligen Abschluss so wissen muss, um verwertbare Arbeitskraft zu sein. Ob nun Hilfsarbeiter mit Realschulabschluss oder höher qualifizierter Abiturient. Und allen ist gleich, dass wir schon früh gelernt haben, unter Druck zu ackern und dafür im Zweifelsfall auch uns selber hinten runter fallen zu lassen. Auf 60 Schüler kommt einer mit Burn-Out, aber ca. jeder 5. ist gefährdet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen die Ebene des Lernstoffs. Seit der Umstellung auf G8 in den meisten Bundesländern ist die Gymnasiallaufbahn ein Jahr kürzer – der Stoff ist aber kaum weniger geworden. Schule bis in den Nachmittag ist mittlerweile Normalität. Danach kommen natürlich noch die Hausaufgaben hinzu. Und wer die nicht alleine schafft, weil eine Lehrkraft bei locker 30 Schülern in einer Klasse nicht auf jeden einzeln eingehen kann, darf danach noch bei der Nachhilfe nachlernen. Nicht zuletzt entstehen schon früh sozialer Druck und Konkurrenz. Nicht selten melden sich Schüler nicht, aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Oder von den anderen ausgelacht zu werden, weil es falsch ist. Oder ausgelacht zu werden, weil sie ‚die Streber‘ sind.
Man sieht, es gibt allerlei zu lernen, was das Kapital erfreut. Es gibt aber auch allerlei zu lernen, wie man sich dagegen zur Wehr setzen kann. Ein neues Schuljahr heißt auch: Eine neue Möglichkeit, in seiner Schülervertretung aktiv zu sein. So kann beispielsweise die SV in der Schulkonferenz dafür kämpfen, dass die Hausaufgabenregelung der Schule fairer gestaltet wird. Das löst nicht alle Probleme, ist aber schon mal ein riesen Erfolg!
Es liegt also an uns zu wählen, ob wir einfach weiter für das Kapital lernen wollen oder ob wir lernen wollen, zu kämpfen. Auch schon in der Schule.


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