Kultursplitter

|    Ausgabe vom 29. September 2017

Festivalarbeit
In Deutschland haben sich inzwischen rund 400 Filmfestivals etabliert, die sowohl als Standortfaktor als auch im Verwertungskreislauf innerhalb der Filmwirtschaft eine entscheidende Bedeutung haben. Und wenn auf den Filmfestivals die großen Stars über den roten Teppich laufen, sind am Rande viele Menschen tätig, die dafür sorgen, dass alles rund läuft. Am Rande stehen die Beschäftigten in der Festivalarbeit bisher aber auch mit ihren Arbeitsbedingungen. Die sind prekär. Sie erhalten meist nur befristete Honorarverträge ohne Ansprüche auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder Zuschüsse zu den Sozialversicherungen und hangeln sich von einem Jahr aufs nächste. Jetzt ist die Gruppe Festivalarbeit in ver.di gebildet worden, unter dem Motto „WIR machen Festivals – Festivalarbeit gerecht gestalten“ hat man sich zusammengefunden, um die teils katastrophalen Arbeitsverhältnisse der insgesamt mehreren Tausend Erwerbstätigen bei Filmfestivals in Deutschland zu thematisieren und sich für deren Verbesserung stark zu machen. „Festivals sind für den Kulturbetrieb unverzichtbar, dementsprechend müssen aber auch die Bedingungen gestaltet werden“, sagt dazu Frank Werneke, stellvertretender ver.di-Vorsitzender. Ob die Neuausrichtung der Strukturen bei ver.di der neuen Gruppe genügend Gehör und Unterstützung geben wird, bleibt abzuwarten.

Besetzung
Um die Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz herrscht Verwirrung. Seit Tagen haben Aktivisten das Theater besetzt – wie es weitergeht, ist unklar. Seitdem gibt es Gespräche zwischen den Aktivisten, der Kulturverwaltung mit Kultursenator Klaus Lederer und Intendant Chris Dercon. Die Kassen im Theater sind vorerst geschlossen, der umstrittene Intendant teilte mit, dass, wenn die Besetzung noch weiter andauern sollte, die Volksbühne gezwungen sei, den Probenbetrieb einzustellen. Laut Kulturverwaltung sei aber nicht geplant, das Theater zu räumen. Ein Künstlerkollektiv mit dem schönen Namen „Staub zu Glitter“ rief unterdessen zu Sachspenden wie Toilettenpapier oder Büromaterial auf und will innerhalb von drei Monaten ein eigenes Programm auf die Beine stellen. Auch soll ein „Anti-Gentrifizierungs-Zentrum“ an der Volksbühne etabliert werden. Um das Theater schwelt seit Monaten ein Streit um den Kurs des neuen Intendanten, viele befürchten, dass die Volksbühne zu einem kommerzialisierten Eventtheater umgestaltet werden könnte. Der Start in die neue Theatersaison mit putzigem Tanz auf dem Tempelhofer Feld gab den Kritikern Recht und war vielleicht der letzte Anstoß für die Aktion.

Ehrengast
Dieses Jahr ist Frankreich Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, die vom 11. bis 15. Oktober stattfinden wird. Die Verantwortlichen haben den Anspruch formuliert, den gesamten französischsprachigen Raum in den Blick zu rücken. Behauptet wird, es gäbe ein neues Bewusstsein und französischsprachige Autoren – ob sie nun in anderen Ländern lebten oder als Einwanderer in Frankreich – seien heute für die französischen Verlage sehr wichtig. Sie genössen Anerkennung und erhielten große Literaturpreise wie den Prix Goncourt. Die französische Kulturpolitik verknüpft mit dem Auftritt auf der internationalen Bühne große Erwartungen. 300 Veranstaltungen sind in Frankfurt geplant. Der Auftritt passt genau zu den tatsächlichen politischen und militärischen Anstrengungen der „Grande Nation“, die nationalen Interessen, besonders in Afrika, deutlich zu verstärken. Die Frankfurter Buchmesse, immer mit reichlich viel medialem Getöse orchestriert, ist dann folgerichtig ein wichtiger Ort, dem Ganzen kulturelle Aufladungen zu verpassen.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 29. September 2017





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