Der rote Kanal

|    Ausgabe vom 27. Oktober 2017

Die Höhle der Löwen
In der dritten Staffel dieser richtig perfiden „Show“ geht es um noch mehr Geld, lukrativere Geschäftsmodelle, dramatischere Verhandlungen und eine größere Bandbreite fulminanter Ideen. Denn die spektakulären Erfindungen der neuen Staffel, ob zu Wasser, zu Land und in der Luft, innovative Apps oder ungewöhnliche Lebensmittel, lassen selbst die millionenschweren Investoren staunen. Zu kritisieren ist, dass viele der in der Sendung geschlossenen Deals in den Nachverhandlungen von Investor und Unternehmensgründer nach der Sendung scheitern, obwohl in der Sendung ein Übereinkommen zwischen beiden Parteien getroffen wird. So sind 26 der 35 in Staffel eins und zwei geschlossenen Deals in den Verhandlungen nach der Show gescheitert, womit nur neun Deals tatsächlich umgesetzt wurden. Der Sender begründet das nachträgliche Scheitern vieler Deals damit, dass nach der Sendung teilweise Unwahrheiten in den Aussagen der Gründer ans Licht kommen oder sich Investor und Gründer bezüglich bestimmter Vertragspunkte nicht einig werden.
Fr., 27.10., 20.15 Uhr, ntv

Bella Block
Immer wieder sehenswert: Wie Hannelore Hoger die mittlerweile pensionierte Kommissarin spielt, wie die Drehbücher die Themen und Figuren aus den Krimis von Doris Gercke gut umsetzen und wie eine Atmosphäre geschaffen wird, die den Zuschauer einnimmt. Im aktuellen Fall „Stille Wasser“ verschlägt es Bella in eine brandenburgische Kleinstadt, wo zumindest die Todesursache des Zwillingsbruders die Familie vor viele Fragen stellt. Jo Baier hat routiniert Regie geführt.
Sa., 28.10., 20.15 Uhr, ZDF

Das Reich der Sonne
Einer der mittelprächtigen Filme von Steven Spielberg, der aber hauptsächlich von den Schauspielern getragen wird. Dazu gehören der noch junge Christian Bale und John Malkovich und obwohl das Drehbuch von Tom Stoppard ist, bleibt die erzählte Geschichte seltsam blass. Dass Spielberg zum Ende hin nur noch Pathos und reichlich Einsatz der Filmmusik von John Williams einfallen, ist schade. Auf jeden Fall kein „Meisterwerk“, es gab zwar Oscar-Nominierungen, aber der Film ging völlig leer aus. Gedreht zwischen zwei „Indiana-Jones“-Filmen, hatte die Produktion mehr mit Marketingüberlegungen zu tun als mit künstlerischen Ansprüchen.
So., 29.10., 20.15 Uhr, arte

Die andere Heimat
Dem (fiktiven) Hunsrück-Dorf Schabbach hatte der deutsche Regisseur Edgar Reitz bereits zwischen 1982 und 2004 in seiner „Heimat“-Trilogie ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt. Für dieses erneut äußerst ambitionierte Projekt kehrte er nach Schabbach zurück, um eine Art Vorgeschichte der bereits existierenden Erzählung zu entwerfen: Vor dem Hintergrund einer konfliktreichen Dreieckskonstellation zeichnet Reitz ein hochgradig stimmungsvolles Bild des ländlichen Alltags, der von harter Arbeit, großer Armut, schweren Rückschlägen, aber auch Zusammenhalt geprägt ist und bei dem der Matsch auf den Straßen und die Gülle in den Fässern förmlich erlebbar werden. Die Unbill dieses Lebens und die damit einhergehende Zeit der großen Auswandererwelle zeichnet der 2013 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete und für den Fremdsprachen-Oscar 2014 nominierte Film in grandiose, mit kleinen Farbeffekten dekorierte Schwarz-Weiß-Bilder. Dies ist tatsächlich ein Meisterwerk.
So., 29.10., 22.10 Uhr, 3sat

AMIGA – der Sound der DDR
Das legendäre Plattenlabel feiert nicht nur 70. Geburtstag, sondern war und ist Heimat einer eigenen Richtung, dem Ostrock. City, Puhdys, Karat oder Silly wurden zum Sound der DDR, den die Firma schon damals erfolgreich in den Westen exportierte. Das Monopollabel der DDR, welches zum VEB Deutsche Schallplatte gehörte, war nicht nur ein wirtschaftlich klug geführtes Unternehmen. Es unterstand dem Kulturministerium, subventionierte mit seinen Gewinnen den Kulturbereich und lieferte zugleich eine überragende Qualität.
Mo., 30.10., 20.15 Uhr, MDR


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