Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 17. November 2017

Aufgefallen
Der unsägliche U2-Frontmann Bono, mit bürgerlichem Namen Paul David Hewson, ist ein richtiges Cleverle. Berühmt-berüchtigt ist er weniger ob seiner Musik, sondern für das angebliche Engagement bei Charity-Konzerten für Aids-Bekämpfung, gegen Hunger in Afrika und ähnliches mehr, bei denen er sich gerne mit Promis und Politikern ungibt. Nun fiel er bei den „Paradise Papers“ auf, wonach er Investitionen über Firmen in Steueroasen tätigte, z. B. in Malta und Guernsey. Etwas, das „alles andere als vorbildlich war“, meint Bono nun. Den Dokumenten zufolge investierte er über Firmen in den Steuerparadiesen Malta und Guernsey. Dreist wie immer rief er nun seine Fans zu politischem Engagement auf und gab sich völlig unschuldig. „Protest zahlt sich am Ende aus“, sagte der irische Sänger und Aktivist bei einem Konzert auf dem Trafalgar Square in London. Ob sich nun seine Anhänger und andere Künstler von ihm distanzieren, bleibt abzuwarten, doch die überwiegende Meinung scheint zu sein, dem Operntitel „Cosí fan tutte“ zu folgen. Eigentlich folgt er nur seinen Freunden Bill und Melinda Gates, die über ihre Stiftungen eine ganz bestimmte Politik betreiben und ihre Milliarden auch nicht auf der Straße gefunden haben.
Hingefallen
Jetzt wird es langsam schräg: In der Debatte über sexuellen Missbrauch hat die Schauspielerin Rachel Brosnahan, bekannt aus der US-Serie „House of cards“, die Frage aufgeworfen, ob Kunst anders bewertet werden muss, wenn ihr Schöpfer sich als Mensch unmoralisch verhält. Was sie dabei im Blick hatte, blieb unklar. Kevin Spacey, nach seinem „Geständnis“ ein gefallener Liebling Hollywoods und ihr Partner in der Serie, wurde nun aus dem Team geworfen, die weitere Produktion ist auf der Kippe. Aber dieser Schauspieler war ja wohl nicht „der Schöpfer“, sondern einer, der seiner handwerklichen Kunst nachging. Die Reihe von Künstlern, die unmoralisches Tun in ihren Büchern, Filmen, Gemälden und Liedern dargestellt haben, ist ellenlang. Ob sie in ihrem persönlichen Leben, in ihrem Verhalten gegen andere, den Kriterien von ethisch und moralisch Richtigem entsprochen haben, ist eine völlig andere Ebene. Wer immer solche Kriterien aufstellt, ist oft selbst gefangen in Interessen und Klassenlage. Mit solchen Pauschalierungen, die den Opfern z. B. von sexueller Gewalt wenig helfen, wollen sich nun einige, und dazu darf man Brosnahan zählen, Aufmerksamkeit in den aufgeregten Medien verschaffen.
Durchgefallen?
CDU und Grüne bilden in Köln eine Mehrheit im Rat der Stadt, zusätzlich mit der Stimme der parteilosen Oberbürgermeisterin Henriette Reker macht man seit 2015 gemeinsam Politik. Ein anschauliches Beispiel, was die Damen und Herren darunter verstehen: Die „Akademie der Künste der Welt“ in Köln sollte die Weltoffenheit der Stadt zeigen. Ziel der Akademie soll laut eigenem Anspruch sein, Internationalität und Interkulturalität als Ergänzung zum bestehenden Kunst- und Kulturangebot und deren Vernetzung in der Stadt Köln zu leisten. Aber nun hat der Stadtrat das Budget um 40 Prozent gekürzt, was bedeutet, von einem Etat von einer Million Euro geht es ab 2018 runter auf 600 000 Euro. Weil die Akademie nicht geliefert hat, sagt der kulturpolitische Sprecher der CDU, Ralph Elster. Sprache ist ja oft entlarvend, und woran gemessen wird, wenn es um „Lieferung“ geht, kommt in der Begründung so vor: 7 000 Besucher seien bei einem Etat von einer Million Euro pro Jahr zu wenig, die Personalkosten mit 40 Prozent zu hoch. Dass eine Akademie kein Musical-Theater ist oder für populäre Events steht, will der Ratsmehrheit nicht in den Kopf. Sie habe ihre Ziele verfehlt, obwohl Fachleute und Fachjournalisten der Akademie eine gute Arbeit bescheinigen.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 17. November 2017





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