Massensterben im Mittelmeer

UNO kritisiert EU-Abfangpolitik
Von lmö
|    Ausgabe vom 1. Dezember 2017

Bei Bootsunglücken vor der libyschen Mittelmeerküste sind in der vergangenen Woche mindestens 50 Migranten umgekommen, mehrere hundert Menschen seien vor dem Ertrinken gerettet worden, wie Hilfsorganisationen mitteilten.
Ein Sprecher der libyschen Küstenwache berichtete, dass rund 60 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis ein Notruf aufgefangen worden sei. Etwa 30 Menschen seien tot aus dem Wasser gezogen worden, nachdem ihr Schiff kenterte. 44 Menschen - vor allem aus Somalia - seien gerettet worden. Kurz darauf seien am gleichen Ort über 110 Menschen aus einem Boot aufgenommen und zurück nach Libyen gebracht worden.
Ein Sprecher des UNO-Flüchtlingskommissariats UNHCR berichtete von einem weiteren Zwischenfall, der sich letzte Woche in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ereignet haben soll. Dabei seien etwa 20 Menschen ertrunken, als sie von einem überfüllten Schlauchboot über Bord gegangen seien.
Hilfsorganisationen wie die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ weisen auf eine zunehmende Behinderung bei der Suche nach Flüchtlingen vor Libyen hin. So rettete z.B. das Hilfsschiff „Aquarius“ mehr als 400 Menschen, die mit einem Holzboot in Seenot geraten waren. Die EU sieht solche Aktionen nicht gerne, vor allem darum nicht, weil die Retter sich nicht an ihre Abschottungspolitik halten.
Seit letzter Woche Mittwoch waren laut Berichten der italienischen Küstenwache und von Hilfsorganisationen mehr als 1 100 Menschen gerettet worden. „Die Menschen, die mit der jüngsten Welle angekommen sind, befinden sich in einem sehr schlechten Zustand“, sagte der UNHCR-Sprecher. Viele Mi­granten, die sich bis zu eineinhalb Jahre in libyschen Haftzentren befunden hätten, wiesen u.a. Spuren von Folter und Gewalt auf.
Die UNO hatte die EU-Hilfen für die libysche Küstenwache zum Abfangen von Migranten kritisiert. Nach unbestätigten libyschen Angaben befinden sich rund 20 000 Menschen in Lagern, im September waren es noch 7 000 gewesen.
Die Internationale Organisation für Migration (IOM) bezeichnete das Mittelmeer als die „mit Abstand tödlichste Grenze“ weltweit. In diesem Jahr sind bereits über 3 000 Menschen bei dem Versuch umgekommen Europa zu erreichen.


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Leserbrief zu »Massensterben im Mittelmeer«, UZ vom 1. Dezember 2017





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