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Mit Stalingrad kam die Wende

Von nh
|    Ausgabe vom 8. Dezember 2017
Über dem zentralen Platz in Stalingrad weht die sowjetische Fahne – die Rote Armee hat gesiegt (Ende Januar, Anfang Februar 1943) (Foto: [url=https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-W0506-316,_Russland,_Kampf_um_Stalingrad,_Siegesflagge.jpg]Bundesarchiv_Bild_183-W0506-316/Wikimedia Commons[/url])
Über dem zentralen Platz in Stalingrad weht die sowjetische Fahne – die Rote Armee hat gesiegt (Ende Januar, Anfang Februar 1943) (Foto: Bundesarchiv_Bild_183-W0506-316/Wikimedia Commons / Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE)

Im Sommer und Herbst 1941 schien es, dass trotz des heroischen Widerstandes der Sowjetarmee, der illegalen Kämpfer und der entstehenden Partisanenbewegung die faschistische Führung mit ihrer Blitzkriegsstrategie Erfolg haben könnte. Doch am 5. Dezember 1941 begannen vor Moskau die sowjetischen Truppen eine groß angelegte Gegenoffensive. Die Okkupanten mussten sich zurückziehen.
Im Sommer 1942 gelang es ihnen jedoch – dieses Mal in der südlichen Hauptangriffsrichtung – die Initiative zurückzugewinnen. Am 30. Juni fiel nach 250 Tagen anhaltendem Widerstand Sewastopol und damit die Krim. Die Faschisten besetzten das Donezkbecken, erreichten den Donbogen und bedrohten unmittelbar Stalingrad, dessen Einnahme die zentralen Gebiete der UdSSR vom Süden abgetrennt hätte.
Gleichzeitig stießen die faschistischen Truppen zum Nordkaukasus vor. Ihnen gelang es während der 15 Monate bis zum Oktober 1943 andauernden Kämpfe jedoch nicht die Erdölfeldern am Kaspischen Meer zu erreichen. Das war von wesentlicher strategischer Bedeutung.
In die Geschichte aber ist vor allem die Schlacht um Stalingrad eingegangen. Am 17. Juli 1942 begann der Angriff der faschistischen Wehrmacht und der mit ihr verbündeten Truppen aus Rumänien, Italien, Kroatien und Ungarn. Am 23. August gelang es den faschistischen Truppen nördlich der Stadt die Wolga zu erreichen. Der Versuch, sofort in die Stadt einzudringen, misslang.
In Stalingrad wurden Verteidigungsanlagen und Barrikaden gebaut. Die Betriebe setzten die Produktion von Waffen und Kampftechnik fort. Aus dem Hinterland kam Verstärkung und Kriegsgerät. Ab Ende August koordinierte Armeegeneral G.  K. Schukow, der Stellvertreter des Obersten Befehlshabers, die Verteidigung der Stadt. Die sowjetischen Truppen verteidigten jeden Betrieb, jede Straße, jedes Haus, jedes Stockwerk.
Mitte November war die Angriffskraft der deutschen Truppen erschöpft. Sie hatten ungefähr 700000 Mann an Gefallenen und Verwundeten zu beklagen, mehr als 2000 Geschütze, 1000 Panzer und 1400 Flugzeuge verloren. Doch auch die Lage der sowjetischen Einheiten war teilweise schwierig. Der Schriftsteller und Journalist Boris Polewoi schrieb in seinen Erinnerungen „Die Reportagen meines Lebens“: „Die Divisionen, die den schmalen Streifen Land entlang der Wolga verteidigten, wurden aus der Luft mit Munition und Verpflegung versorgt. Die schweren Ballen mit den Waffen landeten an Ort und Stelle, während die Verpflegung vom heimtückischen ‚Kalmücken’ (ein stürmischer Nordwind – nh) meist zum Gegner abgetrieben wurde, und die Deutschen, die damals noch keine Ahnung hatten, welche Tragödie auf sie zukam, grölten schadenfroh durch Blechmegaphone herüber: ‚He, Iwan! Deinen Speck futtern wir. Schmeckt prima … Danke.’“ Unter diesen sowjetischen Truppenteilen kursierte damals ein Schreiben, das als „Schwur der Stalingrader“ bekannt wurde. Polewoi schrieb: „In dieser außerordentlich schwierigen Zeit, da die Hauptfeldwebel nur eine Hungerration zuteilen konnten, wanderten durch die in die gefrorene Erde gehackten Unterstände, Gräben und Schützenlöcher Listen mit einem an das Zentralkomitee der Partei gerichteten Brief, der den Schwur enthielt, die Stellung bis zum letzten Blutstropfen zu halten, durchzuhalten, den Feind nicht an die Wolga heranzulassen und dieses im Bürgerkrieg mit Ruhm bekränzte Stück Land.“ (Boris Polewoi, Die Reportagen meines Lebens. Erinnerungen, Berlin 1981, S. 210/211) – Und so kämpften sie auch. Der Feind kam keinen Schritt weiter.
Inzwischen hatte das sowjetische Oberkommando bedeutende Reserven zusammengezogen. Der noch eine Million Mann starken deutschen Gruppierung standen nun ebenso viele Sowjetsoldaten gegenüber. Deutsche Kommunisten und antifaschistische deutsche Offiziere riefen während der Stalingrader Schlacht aus den vordersten sowjetischen Schützengräben die Soldaten der Wehrmacht auf, den sinnlosen Kampf einzustellen.
Am 19./20. November begann die sowjetische Gegenoffensive bei Stalingrad. Innerhalb von drei Tagen schlossen die sowjetischen Truppen über 23 000 Mann der·6. Armee unter General Friedrich Paulus ein. Sehr bald war die Lage der eingeschlossenen Truppen hoffnungslos. Ehrenvolle sowjetische Kapitulationsangebote wurden auf ausdrücklichen Befehl Hitlers abgelehnt. Die Reste der eingeschlossenen faschistischen Truppen in Stalingrad ergaben sich am 2. Februar 1943.
Eine solche Niederlage hatte die lange siegreiche faschistische Wehrmacht noch nicht erlebt. Der Ausgang der Stalingrader Schlacht brachte eine radikale Wende nicht nur im Großen Vaterländischen Krieg, sondern im gesamten Verlauf des zweiten Weltkrieges.


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Leserbrief zu »Mit Stalingrad kam die Wende«, UZ vom 8. Dezember 2017





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