Eh wurscht

Christoph Hentschel über den Personalwechsel in Bayern
|    Ausgabe vom 8. Dezember 2017

In Bayern gibt es einen neuen Ministerpräsident. Wäre Bayern nicht Bayern, wäre der Personalwechsel in einem Bundesland, innerhalb einer Partei eine Meldung wert, aber mehr nicht. Aber Bayern ist nun mal Bayern.
Was wird sich politisch ändern? Nichts. Denn bei Machtkämpfen in der CSU geht es nicht um Richtungsentscheidungen, um ein Ringen verschiedener Flügel um die richtige Linie, sondern es geht ganz schlicht um Macht. Ob Söder, Seehofer, Beckstein oder Stoiber, die politische Linie ist klar. Eine Politik für die Großkonzerne verbunden mit einem propagandistischen Abfeiern des Mittelstandes. Dieser „Mittelstand“ kann sich dann mit einem gottähnlichen Vertrauen in die CSU von den Monopolisten schröpfen und wenn nötig zerdrücken lassen. Flankiert wird das ganze von einer rassistischen Law-and-Order-Politik, versumpft in einem bäuerlich-gut bürgerlichen Zerrbild.
Den Machterhalt der CSU in Bayern liefert nicht die Politik, die die Partei betreibt, sondern der Umstand, dass sie bei jeder, auch noch so kleinen, Schweinerei mit dabei ist. Sei es ein Flughafenausbau, der Bau eines Hotels in einem Naturschutzgebiet oder die Baugenehmigung für ein Häuschen auf Schwemmland, überall ist mindestens ein CSU-Parteibuch-Träger dabei und regelt „unbürokratisch“ etwaige Schwierigkeiten mit Ämtern, Verbänden und jedem, der sich noch quer stellt. So ist es nicht verwunderlich, dass die CSU in Ballungsräumen, wo die Unterschrift unter ein offizielles Dokument mehr wiegt als der Handschlag, traditionell schwach ist und auf dem platten Land stark.
Sollte es jemals in Bayern unter kapitalistischen Bedingungen zu einem Machtwechsel kommen, dann würde eine Massenpanik in den Wirtshäusern, Golfplätzen und Biergärten ausbrechen. Nicht weil eine SPD oder eine AfD etwas grundsätzlich ändern würde, sondern es bestände die entfernteste Möglichkeit, dass überlegt würde, ob man die Vetternwirtschaft angehen sollte. Das würde in Bayern bei den anständigsten Damen und Herren der Gesellschaft vom kleinsten, drei Häuser zählenden Nest bis nach München-Bogenhausen unweigerlich die schlimmsten Höllenphantasien von Wasser und Brot im Kerker hervorrufen.
Ob Seehofer oder Söder kann einem herzlich wurscht sein. Unterhaltsam ist es trotzdem, weil im CSU-Kosmos die Nachfolge nie demokratisch und transparent abläuft, sondern immer mit allerei Schmutzeleien vor sich geht.


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Leserbrief zu »Eh wurscht«, UZ vom 8. Dezember 2017





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