Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 15. Dezember 2017

Nelly-Sachs-Preis
Der irakisch-kurdische Autor Bachtyar Ali hat den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund erhalten. Der mit 15000 Euro dotierte Literaturpreis wurde im Dortmunder Rathaus verliehen. Der 1966 geborene Ali schreibt auf Sorani, der südöstlichen Variante des Kurdischen. Aus seinem Werk sind erst zwei Romane in deutscher Sprache im Unionsverlag erschienen: „Der letzte Granatapfel“ und „Die Stadt der weißen Musiker“. Seine Bücher fußen auf der großen orientalischen Erzähltradition und schildern zugleich auf poetische Weise das Schicksal der irakischen Kurden, hieß es in der Begründung der Jury. Mit dem nach der jüdischen deutschen Schriftstellerin Nelly Sachs benannten Preis ehrt die Stadt Dortmund seit 1961 alle zwei Jahre Schriftsteller, die zur Verbesserung der kulturellen Beziehungen zwischen den Völkern beitragen. „Ich habe zwei, drei Kriege erlebt“, sagt Bachtyar Ali. „Mein Vater war ein Kämpfer, ein Peschmerga, ein Kommunist, er war im Gefängnis, und meine Familie hat sehr Schreckliches erlebt. Ich habe an Demonstrationen gegen Saddam teilgenommen, wurde verletzt und war im Gefängnis.“ Vor 20 Jahren floh Bachtyar Ali nach Deutschland und durchlitt den kompletten Verlust von Heimat, Sprache, Familie. Bis heute kann er nur besuchsweise zurück.

Hauptsache teuer
Das für eine Rekordsumme versteigerte Gemälde „Salvator Mundi“ von Leonardo da Vinci ist Medienberichten zufolge vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman gekauft worden. Das meldeten das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“. Sie berufen sich dabei auf nicht näher genannte amerikanische Offizielle. Mohammed bin Salman, Kronprinz der Kopfabschneider-Dynastie, habe das Kunstwerk über einen Freund erworben, um selbst nicht in Erscheinung zu treten. Das Gemälde, es soll Jesus Christus darstellen, war für 450 Millionen Dollar bei Christie‘s in New York versteigert worden. Experten streiten sich weiterhin, ob es überhaupt ein Originalwerk von da Vinci ist oder nur aus seinem Atelier stammt. Aber das ist wohl nicht so wichtig, Hauptsache ist: Es ist teuer, der Künstler hat einen bekannten Namen und es gibt Expertisen, das reicht um Kunst zu sein. Der vor einem Monat eröffnete Louvre Abu Dhabi wird das Bild nach eigenen Angaben bald ausstellen, schon recht, wenn in einem muslimischen Land auch christliche Ikonographie gezeigt wird. Die französische Regierung, die an guten Beziehungen interessiert ist und deshalb bei dem Wüstenbau mit Knowhow geholfen hat, kann also damit rechnen, in den nächsten Jahren das Bild als Leihgabe neben der „Mona Lisa“ ausstellen zu dürfen.

Kirchen und Kultur
Der Deutsche Kulturrat, ein Spitzenverband der Kulturwirtschaft mit fast 250 Einzelspartenverbänden, sucht Ansprechpartner. Jetzt sind zur Abwechslung die christlichen Kirchen dran und man fordert sie zu einem stärkeren kulturpolitischen Engagement auf. So sollten sie sich für eine bessere soziale Absicherung von Künstlern einsetzen, forderte der Geschäftsführer der Dachorganisation, Olaf Zimmermann. Die Kirchen seien ebenso wichtige Akteure im Kulturbereich wie Bundesländer und Kommunen, betonte er. Sie verwendeten viele Millionen Euro jährlich für ihre Museen, für Kirchenmusik oder den Erhalt von Sakralbauten. Deshalb müssten die Kirchen ihre Rolle als „unverzichtbare Kulturanbieter“ mehr annehmen, soll wohl heißen, für sie tätige Künstler und Mitarbeiter besser zu bezahlen oder auch Künstlerinnen und Künstler, die sich als areligiös bezeichnen, nicht auszugrenzen. Wenn Herr Zimmermann mit seinem Aufruf dies gemeint hat, wäre er zu loben. Vielleicht ist es auch nur vorweihnachtlich von wegen „Frieden auf Erden und allen Menschen ein Wohlgefallen“.


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