Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 5. Januar 2018

Tomi Ungerer
Der Zeichner, Illustrator und Autor Tomi Ungerer wird Mitglied der französischen Ehrenlegion. Für seinen Beitrag zur Kultur soll der 86-Jährige mit dem Titel eines Kommandeurs geehrt werden. Er gehört zu einer Reihe von mehr als 300 Persönlichkeiten, die zum 1. Januar mit der höchsten Auszeichnung des Landes geehrt werden. Begründet wird die Ehrung für Ungerer weniger mit seinen künstlerischen Leistungen, sondern mit sein sozialen Engagement und seiner Stiftung. Leider, denn er hat nicht nur lobenswerte Kinderbücher wie „Zeraldas Riese“ oder „Kein Kuss für Mutter“ geschrieben und gezeichnet, sondern auch herrlich anstößige Bücher wie „Das Kamasutra der Frösche“ und „Schutzengel der Hölle“ vorgestellt. Dass der neue Kommandeur erst so spät aufgenommen wird, ist sicherlich seiner Altersmilde zu verdanken, früher hielt er auch zur politischen Situation in Frankreich nicht die Klappe, sondern provozierte gerne.

Unesco-Austritt
Israel hat offiziell seinen Austritt aus der UN-Kulturorganisation Unesco mitgeteilt. Dies war erwartet worden, nachdem die USA und Israel im Oktober ihren Austritt aus der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur angekündigt hatten. Trump persönlich hatte den Schritt damit begründet, dass die Unesco in zunehmendem Maße anti-israelische Positionen vertrete. Und natürlich schloss sich die israelische Regierung sofort an. Nach der Aufnahme Palästinas in die Unesco 2011 hatten die USA bereits ihre Beitragszahlungen gestoppt. Der faktische Ausgabenplan der UN-Organisation macht noch 518 Millionen Dollar aus, die Unesco hat sich also bereits auf die ausgefallenen Zahlungen eingestellt. Deutschland ist mit rund 41,7 Millionen Euro der drittgrößte Zahler.

Koloniales Erbe
Der Umgang mit ethnologischen Objekten aus dem 19. Jahrhundert in den Museumssammlungen zählte zu den zentralen kulturpolitischen Debatten 2017. Wie umgehen mit dem kolonialen Erbe Deutschlands? Wie umgehen mit Exponaten aus dem 19. Jahrhundert in den ethnologischen Museen? Die deutsch-französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy ist mit deutlichen Äußerungen aus dem Beirat des Humboldt-Forums zurückgetreten (UZ berichtete). Es gebe zu wenig Provenienzforschung und zu wenig Ideen dafür, wie man die Geschichte der Exponate transparent vermitteln könne, begründete Savoy diesen Schritt. Fragen der Rückgabe stehen tatsächlich eher im Hintergrund. Meist geht es um Fragen der Präsentation und der Einbindung der Kulturen und Erben, deren Objekte gezeigt werden. Auch um Begriffe debattiert man lieber, wie etwa in Hamburg, wo es um die Frage geht, ob man das Museum für Völkerkunde umbenennen solle, „um aus dieser Kolonialschiene rauszukommen“. Das kann man dann zwischen Museumsleuten und der Kulturpolitik jahrelang tun, und ob solche Debatten dazu führen, dass ein inhaltlicher Wandel in Gang gesetzt wird und nur ein symbolischer Akt geschieht ohne weitere Folgen, ist die Frage. Verdeutlichen bei der Debatte über solche Fragen muss man sich der historischen Dimension, denn der deutsche Kolonialismus endet nicht mit dem Verlust der Kolonien im Jahr 1918, sondern geht nahtlos ein in deutsche Politik bis heute.

Ralph Giordano
Die Hamburger KZ-Gedenkstätte Neuengamme erhält die Bibliothek des Schriftstellers Ralph Giordano (1923–2014). Rund 3 300 Bücher sind im Herbst von Köln nach Hamburg gebracht worden, und die Ralph-Giordano-Bibliothek wird am 16. Februar eröffnet. Giordano wurde als Kind einer jüdischen Musiker-Familie in Hamburg-Barmbek geboren. Er, seine beiden Brüder und die Eltern überlebten bis zur Befreiung in Hamburg. Nach dem Krieg war Ralph Giordano als Journalist und Filmemacher tätig. 1982 veröffentlichte er den Roman „Die Bertinis“. 1988 wurde die Geschichte um eine jüdische Familie in der NS-Zeit für das ZDF verfilmt.


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