Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 12. Januar 2018

Qualität?
Der Filmemacher Edgar Reitz, mittlerweile 85, sieht in den Streaming-Diensten eine Chance für anspruchsvolle Film- und Serienproduktionen. Bei den von Netflix, Amazon oder Maxdome angebotenen Serien sei der Qualitätsanspruch im Vergleich zu dem, was früher im US-Fernsehen gelaufen sei, enorm gewachsen. „Das ist das einzige Gebiet, wo sich ein neuer Markt, ein neuer Horizont für Qualität auftut“, sagte der Regisseur und Autor in einem Interview in Nürnberg. Angesichts des Qualitätsanspruchs der von Videoportalen angebotenen Serien zeigte sich Reitz überzeugt, dass seine „Heimat“-Saga heute eine Chance hätte, von einem der Dienste produziert zu werden. Reitz scheint sich ein wenig blenden zu lassen von einigen Produktionen, die tatsächlich mit viel Aufwand, reichlich Geld und guten Leuten gemacht wurden. Wer sich jedoch das gesamte Angebot dieser Firmen ansieht, hat jede Menge Schrott (früher B- oder sogar C-Pictures genannt) vor sich. Über die jeweilige Nutzung der Filme schweigen sich die Unternehmen aus, womit das Geld wieder eingespielt wird, bleibt Spekulation.
Twitter und Co.
Jüngste Äußerungen von Donald Trump lösten Proteste gegen den Kurznachrichtendienst aus. Der Kurznachrichtendienst Twitter will Konten von Staats- und Regierungschefs auch bei umstrittenen Äußerungen nicht sperren. Politiker hätten einen besonderen Status, teilte Twitter mit und wehrte sich damit gegen Forderungen, das Konto von US-Präsident Donald Trump stillzulegen. Würden die strittigen Tweets gelöscht, würden wichtige Informationen zurückgehalten, welche die Menschen erfahren und über die sie debattieren müssten, sagte das Unternehmen. Kritiker sehen in Trumps anhaltender Präsenz auf dem Kurznachrichtendienst eine Gefahr und eine Verletzung von Twitter-Regeln zu Gewaltäußerungen. Ganz anders geht Twitter mit satirischen Tweets um, aktuell sperrte der Dienst das Satiremagazin „Titanic“, die Betreiber sahen in bestimmten Beiträgen gerade auch zu Trump einen Anlass, massiv vorzugehen. Warum Politiker oder solche, die sich dafür halten, geschützt werden müssen, wird nicht weiter begründet, das mit heißer Nadel gestrickte „Netzdurchsetzungsgesetz“ scheint für solche Attacken herhalten zu müssen.
Bedauerlich?
Der Verlag 8. Mai GmbH, uns allen bekannt als Herausgeber der „jungen Welt“, kann das Magazin „Melodie & Rhythmus“ nicht mehr finanzieren. Die nächste Ausgabe des zuletzt vierteljährlich erschienenen „Magazins für Gegenkultur“ könne nicht mehr erscheinen, teilte der Verlag mit. Eine Wiederaufnahme der Produktion in absehbarer Zeit stehe nicht in Aussicht. „Um ‚Melodie & Rhythmus‘ auf hohem Niveau weiterentwickeln zu können, müssten Mittel zur Verfügung gestellt werden, „die der Verlag dauerhaft nicht aufbringen kann“, erklärte Verlagsgeschäftsführer Dietmar Koschmieder. Seit 1957 war das einzige DDR-Musikmagazin monatlich als „Fachblatt für Tanz- und Unterhaltungsmusik“ erschienen – und meist schnell vergriffen. In der DDR hatte das Magazin nach Verlagsangaben eine Auflage von bis zu 300 000. Der Anspruch, der mit dem Begriff „Gegenkultur“ bezeichnet wurde, sollte durch Ideologiekritik geübt werden oder wie Susann Witt-Stahl, die Chefredakteurin jetzt meinte, „die Geschichte der Verdinglichung unserer ästhetischen Lebensäußerungen zur Ware“ müsse „gegen den Strich gebürstet werden“. Ob dafür, wie vorgeschlagen, progressiver Black Metal durch Stöhnen und Schreien pulsierenden Schmerz ins Unerträgliche treiben kann, dass die Quantität des Grauens und der Verzweiflung in eine neue Qualität von Hoffnung umschlägt“, die historisch-materialistische „Erdung“ darstellt, wird hiermit füglich bestritten.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 12. Januar 2018





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