Journalistische Meinungsmache

Von Ralf Cüppers, Flensburg
|    Ausgabe vom 12. Januar 2018

Über die kluge Analyse von Olaf Matthes habe ich mich sehr gefreut, war sie doch die richtige Stellungnahme zur richtigen Zeit. Nach dem unglücklich distanzierenden Kommentar der UZ-Redaktion zur wichtigen Stellungnahme der SDAJ Saarland zu „Ramstein“ hatte ich schon Schlimmes befürchtet.
Ich habe mich klar gegen die „Kontaktschuld“ oder „Ketteninfektionslogik“ ausgesprochen und würde nicht Bündnispartner wie z. B. Arbeiterfotografie oder Freidenker abschreiben, nur weil die auch mit „Migrationswaffe“-Jebsen oder „Schlussstrich“-Ganser gemeinsame Veranstaltungen machen. Aber das heißt auch ganz klar, dass ich als Kommunist nicht mit Jebsen oder Ganser zusammenarbeite und mich dagegen wehren werde, wenn Genossen meiner Partei oder Bündnispartner versuchen sollten, solche mit ins Bündnis zu holen.
Wenn Genosse Klemp anführt, „Migrationswaffe“ sei keine Ken-Jebsen-Position, sondern die seines Interviewpartners, die er sich nicht zu eigen gemacht hätte, versteht er nichts von journalistischer Meinungsmache. Stellen wir uns nur einmal vor, die UZ macht Interviews mit Rechtsextremisten, stellt für deren widerliche Ergüsse Seitenplatz zur Verfügung und danach kommt eine kleine Distanzierung der Redaktion. Wäre das akzeptabel? Es ist richtig, dass die UZ Genossen oder Gewerkschaftskollegen oder Bündnispartner aus der Friedens-, Antifa- und Umweltbewegung interviewt und nicht unsere Gegner. An der Auswahl seiner Interviewpartner kann man schon erkennen, wohin man strebt. Allein aus der Tatsache, dass Jebsen der „Migrationswaffe“-Argumentation ein Forum bietet, muss man schließen, dass er eine solche Meinung „hoffähig“ machen will. Nun ist Faschismus aber keine Meinung, sondern ein Verbrechen.


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