Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 19. Januar 2018

Rassistisch
Nach Demonstrationen gegen H&M in Südafrika hat die Modekette alle ihre Läden in dem Land vorübergehend geschlossen. Demonstranten protestierten vor etlichen H&M-Läden, angeführt wurden die Aktionen von der Partei der „Econamic Freedom Fighters“. Die Partei ist drittstärkste Kraft im Parlament, und steht in vielen Provinzen in Opposition zum ANC. H&M sei ein „rassistischer“ Laden, sagte Benjamin Disoloane von der Partei. Das schwedische Unternehmen hatte für einen Kapuzenpullover mit der Aufschrift „Coolster Affe im Dschungel“ einen dunkelhäutigen Jungen modeln lassen und vergangene Woche dafür scharfe Kritik geerntet. Zwar hat sich H&M entschuldigt und das Bild zurückgezogen, aber die Provokation hat ein Medienspektakel gebracht, das übliche Werbung nicht erreicht hätte. Modehäuser und Modelabels geraten immer wieder mal mit Werbung in die Schlagzeilen, man denke an Benettons-Schockwerbung, an magersüchtige Mädchen, an eklige Baby-Fotos, but shock sells.

Provokationen
Auf der Frankfurter Buchmesse hat der Auftritt rechter Verlage zu Protesten geführt, nun haben sich mit Blick auf die Buchmesse in Leipzig Mitte März 45 unabhängige Verlage unter dem Hashtag #verlagegegenrechts zusammengeschlossen. Mittlerweile gibt der Messekatalog für Leipzig genügend Informationen her, welche rechtspopulistischen Verlage sich für Leipzig angemeldet haben. Auch wenn es Verlagen und Autoren nicht gefalle, dass die rechten Verlage sich auf den Buchmessen präsentieren, die Messeleitung meint, sie habe sich neutral zu verhalten. Unter den 45 Verlagen, die sich in der Initiative solidarisieren, ist kein einziger großer Verlag. Namen wie Suhrkamp, Rowohlt, Fischer oder die Bertelsmann-Gruppe sind nicht vertreten. „Wir haben durchaus das Gespräch gesucht, die Verlage haben sich nicht angeschlossen“, heißt es von Seiten der Initiatoren. Geplant sind Diskussionsrunden auf der Messe über Meinungsfreiheit und darüber, wie weit Literatur als Kulturvermittler fungieren kann. Mit solch unverbindlichem Gerede bedient man dann den Mainstream, die Rattenfänger und Demagogen wird das kaum beeindrucken.

Agenda
Zu den unerträglichen „Ergebnissen“ der Sondierungsgespräche von Union und SPD gehört auch eine „Agenda für Kultur und Zukunft“. Man will mehr Menschen den Zugang zu Kultur ermöglichen, unabhängig von Einkommen und Herkunft, egal ob in Stadt oder Land. Das ist der Kernpunkt des Papiers im Bereich Kunst und Kultur, auf das sich beide Seiten in der Nacht zum Freitag verständigten. Zudem will sich eine mögliche große Koalition für den Erhalt von Meinungsfreiheit und Medienvielfalt einsetzen. Den freischaffenden Künstlern und Kreativen wird weiterer sozialer Schutz zugesagt. „Mit einer fortschrittlichen Kulturpolitik nach Innen und Außen fördern wir Dialog, Austausch, Verständigung und Kooperation und stärken den Zusammenhalt in einer offenen und demokratischen Gesellschaft“, heißt es in dem insgesamt 28-seitigen Papier. Trotz der Kulturhoheit der Länder soll ein „gesamtstaatliches Bündnis“ helfen, den Zugang zu Kunst, Kultur, Bildung und Medien zu stärken und mehr Verteilungsgerechtigkeit zu erreichen. Die fast gleichen Sätze finden sich bereits im letzten Koalitionsvertrag von 2014, heißt also nichts anderes als weiter zu wursteln, irgendwelche Leuchttürme zu finanzieren, die klammen Kommunen mit ihren Büchereien, Theatern und Museen weiterhin alleine zu lassen. Schließungen also nicht ausgeschlossen und die Debatte über die Öffentlich-Rechtlichen Anstalten und ihre Umwandlung wird an Fahrt zunehmen. An den Hochschulbibliotheken geht die Private-Public-Partnership ungebremst weiter, der Zugang für Studierende und Wissenschaftler wird teurer und reglementiert.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 19. Januar 2018





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