Von Söldnern und Zeichen

Von Karl Rehnagel
|    Ausgabe vom 2. Februar 2018
Die Luft ist raus (Foto: [url=https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Uninflated_USCG_soccer_ball.JPG]BrokenSphere/Wikimedia Commons[/url])
Die Luft ist raus (Foto: BrokenSphere/Wikimedia Commons / Lizenz: CC BY 3.0)

Bei uns war die Luft raus, bevor überhaupt der Ball ins Spiel kam. Das lag dieses mal nicht an meiner ketterauchenden Kneipenbekanntschaft der letzten Woche. Jene war gar nicht erschienen, ebenso wie vier andere – der Tisch hatte sich glatt um ein Drittel reduziert. Bei den Unansehnlichkeiten Dortmunder Fußballdarbietung kein Wunder. Der Rest unserer Truppe, die sich dem erneuten Grauen stellte, war entweder von bösen Vorahnungen heimgesucht worden oder schlicht verkatert, möglicherweise gar beides. Jedenfalls herrschte eine Stimmung knapp unterhalb von Darmbakterien. Die Nachricht, dass Trainer Dröger, Entschuldigung, Stöger, ausgerechnet Aubameyang auf den Platz stellte, also jenen Spieler, der lieber in London shoppen würde als in Dortmund zu spielen, hellte unsere Mienen zu ziemlich genau 0,0 Prozent auf. Warum bringt man so einen Söldner, wenn man einen 18-jährigen Isaak hat, der nicht nur spielen kann, sondern es auch will?
Das Spiel traf dann unsere Erwartungen wie einst Bud Spencer seine Ohrfeigenopfer. Ballgeschiebe allererster Kajüte, hinten-, unten-, nebenrum, alles, nur bloß nicht nach vorne und hätte man die Ordner hinterm eigenen Tor mit eingebunden, ich wäre zutiefst unerstaunt gewesen. Der zähflüssigen Rede kurzer Sinn: Die Freiburger hauen uns zwei dolle Dinger ins Netz – eines davon mindestens das Tor des Jahrtausends – und tun mir am Ende wirklich leid, denn wir machen in der Nachspielzeit noch den Ausgleich. Unverdient.
Wir trotten nach Hause, die Stadt ist trotz Heimspiel still wie eine komatöse Nacktmulle. Der einzige, der sich freut, ist der Frankfurter Kollege, der anscheinend gerade – um 17.30 – aufgewacht ist. Zumindest schickt er mir nun eine SMS mit dem Inhalt „SGE!!“. Das bedeutet soviel wie „Sportgemeinde Eintracht Frankfurt“ und er möchte mir damit mitteilen, dass sein Club am Vorabend gewonnen hat und nun vor dem BVB steht. Danke dafür.
Ansonsten ist nicht viel Interessantes passiert an diesem Spieltag. Die Bauern aus München haben ausnahmsweise mal gewonnen, sie freuen sich über 624286 Punkte Abstand zum Tabellenzweiten. Der HSV holt ein 1:1 in Leipzig, immerhin. Wird ihm trotzdem nicht helfen. Auch Köln holt ein Pünktchen gegen Augsburg, was immer sie auch damit wollen. Vizekusen und die Blauen gewinnen. Alles so naja.
Und sonst? Gab es Zeichen. So ein paar. BVB-Torhüter Bürki setzte eins, und zwar ins Essen. Er empfahl den Zuschauern nach dem Spiel lieber zu Hause zu bleiben statt zu pfeifen. Denn: „Das sind Leute, die keine Ahnung vom Fußball haben.“ Schon cool, wenn ein Millionär dem zahlenden Besucher seinen Sport erklärt.
Frankfurts Präsident setzte ein weiteres und zwar positives, indem er erklärte, keine Mitglieder der AfD in seinem Verein haben zu wollen. „Es gibt für die braune Brut keinen Platz (…) bei Eintracht Frankfurt“. Würde man sich von anderen Präsidenten auch mal wünschen.
Stuttgart setzte eins, und zwar ein selten albernes, indem es Trainer Hannes Wolf nach dem 0:2 gegen Schalke entließ. Wolf, der die Stuttgarter erst aus der zweiten Liga geholt hatte. Depperten.
Und Christian Streich, der Freiburger Trainer, setzte gar ein Ausrufezeichen. Zum Thema Aubameyang und Fußball an sich sagte er: „Je mehr Geld, desto mehr wird es auch ein Stück weit skrupelloser in alle Richtungen!“ Das ist jetzt nicht die allerneuste Erkenntnis aller Zeiten. Aber nur einer wie Streich sagt das so in dem miesen Geschäft Profifußball.
Ich setze mein eigenes Zeichen, indem ich beschließe, nächsten Samstag den BVB zu boykottieren, diesmal endgültig und standfest. Natürlich lasse ich mir dabei ein kleines Hintertürchen offen: der BVB spielt Freitagabend.


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