Bertelsmann macht’s

Olaf Matthes über die verschlungenen Wege der Privatisierung
|    Ausgabe vom 9. Februar 2018

Es sei „schon bemerkenswert, wie Bertelsmann wieder einmal versucht, die Politik unter Druck zu setzen“. Für Gewerkschafter und linke Aktivisten sind solche Sätze nicht ungewöhnlich. Die sich hier dagegen verwahrt, dass ein Konzern über seine Stiftung die Bildungspolitik beeinflussen will, ist die baden-württembergische Bildungsministerin Susanne Eisenmann (CDU). Die Bertelsmann-Stiftung hat in der vergangenen Woche eine Studie veröffentlicht, in der sie beschreibt, wie sich der Lehrermangel an Grundschulen in den nächsten Jahren verschärfen wird – bis 2025 müssten 105 000 Grundschullehrerinnen und -lehrer eingestellt werden, die Unis können im gleichen Zeitraum aber nur 70 000 fertig ausbilden.
Den Kultusministern passt diese Studie schlecht, weil sie wieder einmal deutlich macht, wie viel Geld sie in die Hand nehmen müssten, um nur die krassesten Folgen ihrer Politik des Bildungsabbaus zu dämpfen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) weist darauf hin, dass vielleicht mehr Menschen an die Grundschulen gehen würden, wenn die Lehrer dort genauso viel Geld wie ihre Kollegen an weiterführenden Schulen bekommen würden. Sie erinnert daran, dass die Lehrkräfte zusätzliche Anforderungen erfüllen müssen, aber trotzdem mit hohen Stundenzahlen überlastet sind. Aber vor allem macht die Bertelsmann-Studie deutlich, dass sich in der Lehrerbildung einiges verändern muss: Langfristig müssen die Universitäten mehr Lehrer ausbilden und die Ausbildung an die Veränderungen an den Schulen anpassen. Kurzfristig brauchen die Schulen Wege, wie Quereinsteiger, die schon jetzt einen großen Teil der neuen Lehrer ausmachen, so qualifiziert werden können, dass sie auch ohne vollständiges Studium gut unterrichten können.
Mit all dem haben die Bildungsforscher des Riesenkonzerns Recht. Und praktisch ist es auch noch: Denn die Bertelsmann-Stiftung, ihr „Centrum für Hochschulentwicklung“ und der Bertelsmann-Konzern bieten den Kultusministerien nicht nur die Beschreibung der Probleme, sondern auch gleich profitable Lösungen an. Mit Projekten wie dem „Monitor Lehrerbildung“, Kooperationen mit Hochschulen und ganz unabhängiger Politikberatung nutzt der Bertelsmann-Filz den Lehrermangel, um seinen Einfluss auf die Lehrerbildung auszubauen, seine Unternehmen liefern gerne die nötigen digitalen Lehrmaterialien mit. Auch wenn sich die Kultusminister noch etwas sträuben: Sie werden schon das Geld locker machen, das sie Bertelsmann bezahlen, damit dessen Unternehmen die neoliberale Umgestaltung der Bildung vorantreiben können – und dabei gute Geschäfte machen.


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Leserbrief zu Artikel »Bertelsmann macht’s«, UZ vom 9. Februar 2018





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