Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 23. Februar 2018

Geduldet
In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind Nationalisten gewaltsam in ein russisches Kulturzentrum eingedrungen. Die Demonstranten sprühten Parolen an die Wände und verbrannten eine russische Flagge. Die faschistische Organisation C14 schrieb auf Facebook, man habe das Gebäude ausgewählt, weil es angeblich dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB als Stützpunkt diene. Die herbeigerufene Polizei griff nicht ein ließ die teils vermummten Rechtsradikalen gewähren. Nach den ersten Angriffen am Vortag hatte die Polizei dem russischen Kulturzentrum schriftlich mitgeteilt, sie könne das Zentrum wegen „außerordentlicher Umstände“ nicht weiter bewachen. Um welche „außerordentlichen Umstände“ es sich handelt, wurde nicht mitgeteilt. Es ist bekannt, dass die Mitglieder rechtsradikaler Organisationen in der Ukraine engen Kontakt zur Polizei haben und von dieser bei ihren Angriffen auf Andersdenkende und Freunde Russlands in der Regel nicht behelligt werden. Das Gebäude des Russischen Kulturzentrums in Kiew wurde schwer beschädigt, sagte die Leiterin des Zentrums, Eleonora Mitrofanowa, „Menschen wurden nicht verletzt“, bemerkte sie und fügte hinzu, dass niemand mehr im Gebäude war.
Ungelöst
Ronald Lauder, der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, hat Deutschland schwere Versäumnisse im Umgang mit NS-Raubkunst vorgeworfen. „Es herrscht immer noch die Haltung, diese Dinge als Einzelfälle anzusprechen. Ich vermisse den aufrichtigen Versuch, das Problem Nazi-Raubkunst ein für alle Mal zu lösen“, sagte Lauder in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Er sei „frustriert“, dass eines „der Länder mit den höchsten juristischen Standards der Welt“ das Problem Raubkunst „nicht gelöst bekommt“. Zur Erinnerung: Die Gurlitt-Sammlung mit vielen Raubkunst-Werken war den Behörden seit Jahren bekannt, erst zögerlich und das mit großem, noch nicht erledigtem Aufwand, ging es an die Aufarbeitung. In Düsseldorf die Sammlung des jüdischen Kunstsammlers und Galeristen Max Stern, bei der ebenfalls vieles noch völlig ungeklärt ist bei den jetzigen Besitzverhältnissen. Man leistet sich auf der unteren politischen Ebene einen gewaltigen Fehler nach dem anderen, politisch zögern alle Bundesregierungen seit Anbeginn. Und dann müssen viele Millionen Euro dafür ausgeben werden, die Dinge wieder in Ordnung bringen zu wollen. Natürlich mit Steuergeldern, denn wie immer werden politisches Versagen und private Unschuldsmienen mit Geld zugedeckt.
Lobenswert
Krimi, Komödie, Stummfilm: Die 13. Ausgabe der Merseburger DEFA-Filmtage deckt unter dem Motto „Jetzt schlägt‘s 13!“ nahezu alle Varianten des Films ab. 16 Filme sollen vom 9. bis 11. März gezeigt werden, so lässt sich dem Programmheft entnehmen. Auf der Liste findet sich unter anderem der Krimi „Leichensache Zernik“ (1972), die Komödie „Wenn du groß bist, lieber Adam“(1966 gedreht und nicht ausgestrahlt, erst 1990) und der Stummfilm „Cyankali“ (1930 nach dem Theaterstück von Friedrich Wolf). Dieses Filmfestival widmet sich seit seinem Beginn der Deutschen Film AG (DEFA), die bereits 1946 mit Zustimmung der sowjetischen Behörden gegründet wurde und bis zu ihrer Abwicklung 1990 das Filmschaffen der DDR gestaltete. Der Regisseur Matti Geschonneck hat sich angekündigt. Er will seinen im Frühherbst 1989 in Berlin-Hauptstadt spielenden Film „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ vorstellen, basierend auf dem Roman von Eugen Ruge. Einer von drei Programmpreisen 2017 der DEFA-Stiftung ging an den Förderverein Kino Völkerfreundschaft Merseburg e. V. Damit würdigte die Stiftung die Macher aus Merseburg, die nicht nur das Domstadtkino vor dem Verfall retteten, sondern der Spielstätte mit einem klugen Nutzungskonzept auch eine neue Bedeutung zuwiesen: Einmal jährlich dreht sich hier alles um den DEFA-Film.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 23. Februar 2018





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