Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 16. März 2018

Rumänien
Auf der Leipziger Buchmesse gibt es jedes Jahr ein Gastland, dem in literarischer Hinsicht besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. In diesem Jahr ist dieses Schwerpunktland Rumänien. Insgesamt vierzig ins Deutsche übersetzte Neuerscheinungen aus Rumänien werden in Leipzig vorgestellt. Üblich sind jährlich nur rund zehn Werke, wenn man bedenkt, dass jährlich rund 45 000 Neuerscheinungen/Neuauflagen erscheinen, dann relativiert sich das gehörig. Insgesamt 74 Veranstaltungen listet das Buchmesseprogramm zum Schwerpunkt Rumänien auf. Die unvermeidliche Herta Müller und die rumänische Sängerin Ada Milea gestalten einen Liederabend unter dem Motto „Grenze in der Tasche“. Dabei macht die Autorin Werbung für die von ihr behauptete „poetische und politische Kraft“ ihrer Texte. Einen Blick auf Rumänien aus Sicht der deutschen Gegenwartsliteratur soll man hingegen durch den Sammelband „Wohnblockblues mit Hirtenflöte – Rumänien neu erzählen“ erhaschen. Darin schreiben deutschsprachige Autorinnen und Autoren über „ihr“ Rumänien. Vertreten sind unter anderem Uwe Tellkamp (über diesen Herrn gleich mehr) und Ingo Schulze. Mit Betrachtungen über interkulturelle Sichtweisen wollen der rumänische Autor Mircea Cartarescu und der Friedenspreisträger Navid Kermani mit der Frage „Hat Kultur noch einen Sinn?“ uns sicherlich einen gefälligen Mix präsentieren.

Stimmung
Pünktlich zur Buchmesse sorgt der Schriftsteller Uwe Tellkamp („Der Turm“) mit Äußerungen über Flüchtlinge und angeblich drohende Repressionen gegen Andersdenkende in Deutschland für ein heftiges Rauschen im bürgerlichen Feuilleton. Bei einem Disput am Donnerstagabend letzter Woche im Dresdner Kulturpalast betrieb er zudem auch passende Medienschelte.
Wer sich kritisch äußere, werde gleich in die rechte Ecke gestellt, lautete eine steile These Tellkamps. In Deutschland existiere ein „Gesinnungskorridor zwischen gewünschter und geduldeter Meinung“. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer verteidigte am Tag danach den Schriftsteller. „Ärgerlich ist die schon wieder beginnende Stigmatisierung“, sagte der CDU-Politiker, Tellkamp sei ihm als kritische Stimme willkommen. Der Suhrkamp-Verlag ging auf Distanz: „Aus gegebenem Anlass: Die Haltung, die in Äußerungen von Autoren des Hauses zum Ausdruck kommt, ist nicht mit der des Verlags zu verwechseln. #Tellkamp“, twitterte der Verlag.

Gratulation
Der Liedermacher Konstantin Wecker und die Redaktion der Zeitschrift „Wissenschaft & Frieden“ sind mit dem Göttinger Friedenspreis ausgezeichnet worden. Wecker ist unter anderem für sein musikalisches Engagement gegen rechte Gewalt und sein aktives Wirken in der Flüchtlingshilfe ausgezeichnet worden. Die seit 1983 erscheinende Zeitschrift „Wissenschaft & Frieden“ untersuche Gewaltursachen, beziehe Position zur Verantwortung der Wissenschaft und thematisiere Wege und Möglichkeiten zur zivilen Konfliktlösung. Im Oktober 1983 ergriff der Bund demokratischer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen (BdWi) die Initiative für die Herausgabe des Informationsdienstes Wissenschaft und Frieden. Rainer Rilling und Paul Schäfer übernahmen die Redaktion, mittlerweile sind viele Friedens- und Konfliktforscher der Zeitschrift verbunden. Der Friedenspreis wird von der Stiftung Roland Röhl an Personen oder Gruppen verliehen, die sich durch wissenschaftliche Arbeit oder praktisch für den Frieden einsetzen. Die Stiftung wurde durch Testament von Dr. Roland Röhl errichtet, der seinem zentralen Anliegen zu Lebzeiten – der Konflikt- und Friedensforschung – auch nach seinem Tod zur Geltung verhelfen wollte. Die Stiftung, die seinen Namen trägt, ist seit 1998 in seinem Sinne tätig. Die Preisverleihung fand am 10. März in der Uni Göttingen statt, leider ohne Konstantin Wecker, der durch andere Termine/Auftritte verhindert war.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 16. März 2018





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