Nichts war umsonst

Das kurze Leben der Kommunistin Judith Auer
Von Günter Wehner
|    Ausgabe vom 29. März 2018

Ruth & Günter Hortzschansky: „Möge alles Schmerzliche nicht umsonst gewesen sein“. Vom Leben und Tod der Antifaschistin Judith Auer 1905–1944. 2. durchgesehene u. erweiterte Auflage. trafo Verlagsgruppe 2017, 265 S., 19,80 Euro, ISBN 978–86464-116–9;

( gemeinfrei)

Die erweiterte 2. Auflage der Biografie von Judith Auer widerspiegelt deren mutiges Wirken als Antifaschistin und liebevolle Mutter für die Tochter Ruth. Die Autoren Ruth und Günter Hortzschansky schildern eindrucksvoll das Leben von Judith Auer. In Zürich am 19.9.1905 geboren, wuchs sie in einer jüdischen Künstlerfamilie in spartanischen Verhältnissen auf. Sie verlor sehr früh ihre Eltern und sorgte sich fürsorglich um ihre jüngeren Geschwister. Die Leser erfahren, dass Judith Auer sehr musikalisch war und früh Klavier spielte. In der Folgezeit studierte sie Musik mit dem Ziel Pianistin zu werden.
Sehr früh bekam Judith Auer Kontakt zur revolutionären deutschen Arbeiterbewegung. Sie freundete sich mit dem Jenaer Kommunisten Ernst Auer an, den sie 1926 heiratete. Bedingt durch die Ehe konnte Judith Auer ihr Musikstudium nicht fortsetzen, da sie nunmehr kein Stipendium mehr erhielt. Kurz entschlossen lernte sie nun Stenografie und Schreibmaschine in einem Privatkurs, da sie zum Lebensunterhalt der Familie mit beitragen wollte. Ab Herbst 1926 wohnten Judith und Ernst Auer in Berlin-Wedding.
Auf der Reichskonferenz der arbeitenden Jugend traf Judith Auer erstmals mit Anton Saefkow zusammen.
Die Autoren schildern, dass die blutigen Auseinandersetzungen mit der Polizei am 1. Mai 1929 anlässlich der Maidemonstration für Judith Auer ein prägendes politisches Ereignis wurden.Die Errichtung der faschistischen Diktatur am 30.1.1933 brachte für die Familie Auer einen tiefen Einschnitt. Bereits am 8. April 1934 wurde Erich Auer verhaftet und zu eineinhalb Jahren Gefängnishaft verurteilt. Judith Auer blieb ihrer kommunistischen Gesinnung treu. Sie setzte sich selbstlos und aufopferungsvoll im Ringen gegen die faschistische Diktatur ein. Sie fand Arbeit im Kabelwerk Oberspree in Berlin-Oberschöneweide. In dem Betrieb bestand eine illegale Widerstandsgruppe, der sie sich bedingungslos anschloss. Erneut traf sie mit Anton Saefkow zusammen, der seit 1941/42 in Berlin eine umfangreiche Organisation aufbaute, die vor allem in den Großbetrieben der Stadt illegale Gruppen besaß.
Die Autoren berichten detailliert über die umfangreiche illegale Tätigkeit von Judith Auer. Sie wirkte als Kurierin, ihr Haus diente als Fluchtort für Franz Jacob und war zugleich Treffpunkt für die Widerständler der Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation. Die Leser erfahren, dass sie ihre Stellung als Einkäuferin nutzte, um Kontakte der Widerstandsorganisation nach Thüringen zur Widerstandsgruppe um Dr. Theodor Neubauer herzustellen.
Gewarnt von Dr. Julius Leber ging sie nicht in die Illegalität, da sie als treu sorgende Mutter ihre Tochter nicht verlassen wollte.
Am 5. Juli 1944 wurde Judith Auer verhaftet. Bereits am 27. Oktober 1944 musste J. Auer, gerade 39 Jahre alt, im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ihren letzten Gang antreten.
Ein absoluter Vorzug der vorliegenden Publikation ist, dass nicht nur das politische Wirken von Judith Auer geschildert wird, vielmehr kommt sie persönlich durch die angeführten Briefe, Tagebuchnotizen und weitere Dokumente aus ihren Umfeld zu Worte. Neu sind die zusammengestellten Aufzeichnungen und Briefe von Judith Auer und der Briefwechsel zwischen ihr und der mit ihr befreundeten Pfarrersfamilie aus Hiddensee, der erst jetzt in deren Nachlass gefunden wurde.
Die Nutzer können sich an Hand der erweiterten Publikation ein sehr differenziertes Bild über die Kommunistin und Widerstandskämpferin verschaffen.

Ruth & Günter Hortzschansky: „Möge alles Schmerzliche nicht umsonst gewesen sein“. Vom Leben und Tod der Antifaschistin Judith Auer 1905–1944. 2. durchgesehene u. erweiterte Auflage. trafo Verlagsgruppe 2017, 265 S., 19,80 Euro, ISBN 978–86464-116–9;


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