Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 6. April 2018

Warnstreiks
Es geht auch am Theater und nicht nur in Frankfurt. Wegen eines kurzfristig anberaumten Warnstreiks hat das Schauspiel Frankfurt am Ostermontag zwei Vorstellungen abgesagt. „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers im Großen Haus und Woody Allens „Husbands and Wives“ in den Kammerspielen wurden vom Spielplan ersatzlos gestrichen. Zuvor hatte die Gewerkschaft ver.di die Beschäftigten der Städtischen Bühnen aus Beleuchtung, Ton, Requisite, Kostüm, Kasse, Maske und der Technik zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Er wurde von fast allen 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchgezogen. Die Oper „L‘Africaine – Vasco da Gama“ von Giacomo Meyerbeer im Opernhaus Frankfurt wurde am Montagabend nur konzertant – ohne Bühnenbild und sonstige Requisite – aufgeführt. Schade, dass die Künstler und das Orchester sich nicht solidarisch zeigten. Der Streik soll den Forderungen der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst Nachdruck verleihen, denn die Arbeitgeber aus Bund und Kommunen haben bisher noch nicht einmal ein Angebot vorgelegt. Warnstreiks gab es schon an vielen Häusern, so in Oberhausen, Dortmund, Würzburg und Ulm. Weiter so.
Schwarze Liste
Der entfesselte Kapitalismus zeigt überall sein Gesicht und seine Auswirkungen. Nun ist sogar die Weltkulturorganisation Unesco aufgewacht und warnt vor den negativen Folgen durch Kreuzfahrt-Tourismus auf Weltkulturerbestätten. „Es gibt Probleme mit der Umweltverschmutzung durch die Schiffe“, sagte Mechtild Rössler, Unesco-Direktorin für Kulturerbe. Die Branche interessiert doch nicht der Schutz des Weltkulturerbes. Rössler weiter, „sie gefährdet die Orte, mit denen sie ihr Geld verdient“. Besonders in Venedig gilt die Situation als kritisch. Die riesigen Pötte, die selbstverständlich bis an den Markusplatz fahren, verursachen Wellen und Erosionen an den Gebäuden. Die Unesco diskutiert bereits darüber, die Stadt auf die schwarze Liste der gefährdeten Weltkulturerbestätten zu setzen. Aber auch kleinere Städte wie das estnische Tallinn oder das kroatische Dubrovnik leiden demnach unter dem Ansturm von Kreuzfahrttouristen. Die historischen Städte können nicht so viele Touristen gleichzeitig aufnehmen, Verbote wie bereits in europäischen Innenstädten für den Autoverkehr sind nicht im Plan. Ob die schwarze Liste reicht, um sowohl die Kommunen von ihrem Wahn abzubringen und die Tourismusindustrie zur Änderung ihrer so beliebten Angebote zu bewegen, darf füglich bezweifelt werden.
Aufmarsch
Vera Lengsfeld, Vorsprecherin der Rechten, darf ohne Kommentierung in den „Tagesthemen“ lang und breit ihre „Erklärung 2018“ vortragen. Ihre mutigen Geistesarbeiter und besorgten Bürger, die ihren Namen unter diesen Text gesetzt haben, die Flüchtlingen die Solidarität aufkündigt – sie sollten schon wissen, mit wem sie einen Stuhlkreis bilden. Rechte sind Rechte und keine Konservativen; ihr Ziel ist nicht Bewahrung, sondern Zerstörung. Die Frage ist, ob man besser mit Rechten redet, sie anrempelt oder einfach mal in Brandenburg nach dem Rechten sieht. Da wo auch der „Bocksgesang“-Schreiber Botho Strauß wohnt, dessen neuestes Buch just diese Woche erscheint und den superlustigen Titel „Der Fortführer“ trägt. Botho Strauß hatte vor ziemlich genau 25 Jahren im „Spiegel“ davon geschrieben, dass es Krieg geben werde. „Dass ein Volk sein Sittengesetz gegen andere behaupten will und dafür bereit ist, Blutopfer zu bringen, verstehen wir nicht mehr und halten es in unserer liberal-libertären Selbstbezogenheit für falsch und verwerflich.“ Zumindest in Teilen der Gesellschaft versteht man ihn richtig und man kann Rechten alles Mögliche vorwerfen, nicht aber Unaufrichtigkeit. Sie sagen, was sie wollen. Der Protest des VS, des PEN und der Brancheninitiative #verlagegegenrechts wurde in der ARD komplett unterschlagen.


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