Interview

International zusammenarbeiten

Gerhard Ziegler im Gespräch mit Jürgen Johann
|    Ausgabe vom 13. April 2018

Jürgen Johann ist Vorsitzender des ver.di-Bezirkes Südhessen und gestaltet seit vielen Jahren die Vertrauensleute-Arbeit in Südhessen maßgeblich mit.

UZ: Du hast bei der Kundgebung der Streikenden im Öffentlichen Dienst deine Rede mit der notwendigen Solidarität mit den Kämpfen der Kolleginnen und Kollegen gegen die Gesetzesvorhaben der Regierung Macron in Frankreich begonnen. Welche Rolle spielt die Internationale Solidarität bei der Vertrauensleute-Arbeit und den Arbeitskämpfen in Südhessen?

Jürgen Johann: Leider eine viel zu geringe. Wir arbeiten in unserem ver.di-Bezirk aber ganz feste daran. Wir organisieren z. B. einen Jugendaustausch mit französischen Partnergewerkschaften. Wir haben seit 27 Jahren eine gut funktionierende Betriebspartnerschaft zwischen unseren Vertrauensleuten bei der Stadt Rüsselsheim und unseren CGT-Kolleginnen und -Kollegen bei der Stadt Evreux in der Normandie mit jährlichen Treffen und gegenseitiger Unterstützung bei Streiks.
In diesem Jahr hatte ich selbst die Möglichkeit, bei der Maikundgebung der französischen Gewerkschaften in Straßburg zu reden, nachdem im Vorjahr der Generalsekretär der CGT-Elsass bei uns geredet hat. Dabei waren natürlich auch Vertrauensleute aus verschiedenen Betrieben und Dienststellen. Und so wächst langsam das Bewusstsein über die Notwendigkeit internationaler Gewerkschaftsarbeit. Sehr wichtig hierbei wäre eine Unterstützung unserer Arbeit durch die gesamte Organisation – aber hier sind wir zur Zeit noch sehr am Anfang.

UZ: Horst Seehofer, der neue Innen- und Heimatminister, scheint nach seinem Amtsantritt vor allem auf die Zustimmung des rechten Randes unserer Gesellschaft zu setzen. Seine Aussagen zu den Plänen für eine verschärfte Abschiebepraxis deuten darauf hin. Welche Rolle spielen rechte und rassistische Positionen in den Betrieben und Dienststellen und wie sollten die Gewerkschaften mit diesen Fragen umgehen?

Jürgen Johann: Rechte und rassistische Positionen in den Betrieben und Dienststellen nehmen zu. Wir sollten hier eine klare Kante setzen, aber auch die Tür für fehlgeleitete Kolleginnen und Kollegen offen halten. Wichtig erscheint mir, dass wir als Gewerkschaften wieder klar machen, dass unsere Probleme aus dem Interessengegensatz zwischen Kapital und Arbeit entstehen und damit verursacht werden durch die Arbeitgeber und ihre Helfershelfer in der Politik. Mindestens genauso so wichtig ist es, dass unsere Kolleginnen und Kollegen durch unsere konkrete Gewerkschaftsarbeit erkennen, dass wir ihre – und nur ihre – Interessen gemeinsam mit ihnen vertreten und endlich jede Form des Co-Managements aufgeben.


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