Martin Löwenberg ist tot

Ein Nachruf von Jörg Högemann
Von Jörg Högemann
|    Ausgabe vom 20. April 2018
Die Südkurve beim Championsleague-Spiel FC Bayern gegen Sevilla
Die Südkurve beim Championsleague-Spiel FC Bayern gegen Sevilla

Eine bittere Lehre, die wir Überlebende der faschistischen Barbarei nach der Befreiung ziehen mussten, war die Erkenntnis, dass Nazismus, Völkermord und Krieg hätten verhindert werden können, wenn Antinazis und Demokraten die Gefahr rechtzeitig erkannt und gemeinsam den Kampf gegen die braune Pest geführt hätten. – Martin Löwenberg

Martin Löwenberg

Martin Löwenberg

( TuPG/Wikimedia Commons / Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Martin Löwenberg (1925–2018) kämpfte gegen den Hitler-Faschismus und wurde in das KZ Flossenbürg eingekerkert. Nach der Befreiung vom Faschismus saß er wegen Engagements für die linke SPD-Opposition „Sozialdemokratische Aktion“ 16 Monate in Haft. Anfang der 80er Jahre trat er den „Grünen“ bei und verließ sie wieder, weil er nicht „das linke Feigenblatt einer immer rechter abrutschenden Partei“ sein wollte. Bis ins hohe Alter war er gegen Krieg und Faschismus aktiv. Am 2. April starb Martin Löwenberg im Alter von 92 Jahren. Jörg Högemann vom DKP-Betriebsaktiv München erinnert sich an seinen Kampfgefährten.
„Den Martin Löwenberg lernte ich kennen, als sich 1967 in München das Kuratorium „Notstand der Demokratie“ konstituierte, örtliches Kampforgan gegen die von der Großen Koalition damals forcierten Notstandsgesetze. Etwa 150 TeilnehmerInnen, quer durch die Bevölkerung, viele Gewerkschafter dabei wie die Landesvorsitzenden der IG Metall und der IG Druck und Papier, Erwin Essl und Leonhard Mahlein. Martin, als Kommunist in München bekannt und geachtet, trat dem Kuratorium bei als Mitglied des Ortsvorstands seiner Gewerkschaft HBV. Ich war damals, 32-jährig und erst fünf Jahre in Bayern, frischgebackenes Leitungsmitglied der illegalen KPD in München, war verantwortlich für Bündnispolitik.
Ich konnte Martin während seiner Arbeitszeit besuchen. In einem kleinen Pavillon nahe dem Viktualienmarkt verkaufte er Pfaff-Nähmaschinen, war da ganz allein, jeden Tag in weißem Hemd mit Schlips. War niemand da, der eine Pfaff-Nähmaschine wollte, hatte Martin Zeit für mich, den Leitungs-Azubi, ließ sich den Stand im Notstandskuratorium schildern, gab seine Ratschläge.
Am Ostermontag nun ist er gestorben, mit fast 93. Wir Kommunistinnen und Kommunisten in München betrauern ihn als einen der Unsern, gemeinsam mit allen Aktiven gegen Krieg und Faschismus, ehren ihn als Kämpfer im Widerstand, der im Weltkrieg osteuropäische Zwangsarbeiter mit Lebensmittelmarken versorgte, gefangen und gefoltert wurde und im KZ Flossenbürg Zwangsarbeiter war. Nach dem Krieg Mitbegründer der VVN/Bund der AntifaschistInnen und beim Wiederaufbau der Gewerkschaften dabei. Und dabei war er auch fortan bis zu seinem Lebensende gegen Aufrüstung und Nazis, auch dann, wenn es, nach seinem Ausspruch, ‚zwar nicht legal, aber doch legitim‘ war.“

Die Trauerfeier findet am 24. April um 9 Uhr am Münchner Ostfriedhof statt.

Eine bittere Lehre, die wir Überlebende der faschistischen Barbarei nach der Befreiung ziehen mussten, war die Erkenntnis, dass Nazismus, Völkermord und Krieg hätten verhindert werden können, wenn Antinazis und Demokraten die Gefahr rechtzeitig erkannt und gemeinsam den Kampf gegen die braune Pest geführt hätten. – Martin Löwenberg


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Leserbrief zu »Martin Löwenberg ist tot«, UZ vom 20. April 2018





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