Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 11. Mai 2018

Löblich
Die Schwedische Akademie wird in diesem Jahr keinen Literaturnobelpreis vergeben. Der mediale Wirbel im Vorfeld dieser Entscheidung wurde durch einen Belästigungs- und Korruptionsskandal ausgelöst. Weniger das „unakzeptable Verhalten durch unerwünschte Intimität“, so fein drückt man sich aus, sondern das Vermischen von Aktivitäten in und für die Akademie mit Geldern, die in einen privaten, exklusiven Kulturklub für allerlei Absprachen im Vorfeld der Beratungen verwendet wurden, war dann doch etwas zu viel von dem, was jahrelang bekannt und geduldet wurde. Dass eine große Anzahl Frauen öffentlich erklärten, vom Klubbesitzer sexuell belästigt worden zu sein, war der Teil der Aktivitäten, der die Feuilletons nicht nur in Schweden in helle Aufregung versetzte.
Die Show wird aber weitergehen, im nächsten Jahr will man dann eben zwei Preise vergeben, die Zusammensetzung der Jury, immerhin hat sie 18 Mitglieder, soll verändert werden. Bisher werden die Mitglieder auf Lebenszeit gewählt, Rücktritte waren undenkbar und Neuberufungen nach dem Tod eines Mitglieds wurden bisher im inneren Kreis ausgekungelt.
68 im Kino
Auch Filmemacher hatten eine große Zeit in diesem Jahr 1968. In Cannes brachen Regisseure die Festspiele ab, sie solidarisierten sich mit den Arbeitern und den Studierenden auf Frankreichs Straßen und Plätzen. In Deutschland wurde die erste deutsche Filmkooperative gegründet und damit der Grundstein für ein wütendes und progressives Filmemachen gelegt. Es machten Leute Filme, auch in den Nicht-Kino-Formaten 16 mm oder auch 8 mm, also neue Formate, die nicht für das normale Kino gedacht waren. Und sie suchten sich neue Präsentationsformen, und dazu gehörten neue Filmfestivals, wo jeder das zeigen konnte, was er mitbrachte, wie die Hamburger Filmschau, später auch die Hofer Filmtage, und sie suchten neue Veranstaltungssäle jenseits des Kinos, also mit Projektoren, die jeder mitbringen konnte um damit die Filme außerhalb der Kinos zu zeigen. Und der bekannteste Film war der Film „Besonders wertvoll“ von Hellmuth Costard, der wurde ganz gezielt als Provokation für das Oberhausener Festival gedreht. Hellmuth Costard, der von der Hamburger Filmschau kam, wollte offenbar in Oberhausen auch vorführen, dass dieses Festival,doch nicht so frei war wie die selbst organisierten Festivals, und hat dann einen Film gegen das neue Filmförderungsgesetz hergestellt, indem er einen Penis den Filmförderungstext sprechen ließ. Heute kaum vorstellbar, weder dass ein solcher Film als Provokation empfunden noch dass Veranstalter deshalb systemkritische Filme nicht in irgendeiner Nebenreihe laufen lassen würden.
Außenseiter
Wenige Tage vor seinem 86. Geburtstag ist Günter Herburger gestorben. In den 70er und 80er Jahren ein bekannter und viel gelesener Schriftsteller, erinnert sei an die wundervollen Kinderbücher rund um eine Glühbirne, denn „Birne kann alles“. Insgesamt fünf Titel schrieb er, sie waren sicherlich in vielen, nicht nur linken, Familien in den Kinderzimmern als Freunde vorhanden. Herburger war in diesen Zeiten Mitglied der DKP, die erste Autorenbuchhandlung in München gründete er gemeinsam mit Kollegen. Von seinen Romanen ist heute noch lesenswert das Buch „Jesus in Osaka“ (1970), keine Science-Fiction, sondern von ihm als „Zukunftsroman“ tituliert. Später verstieg er sich immer mehr in Buchprojekte, die zwar eine ungeheure Schreibwut, aber weniger eine Handlung, einen Verlauf oder auch eine nachvollziehbare Absicht zeigten. Die „Thuja-Trilogie“, mit der er 1977 begann und die erst 1991 einen vorläufigen Abschluss fand, brauchte ihm weder Aufmerksamkeit noch Erfolg. Herburger zog sich immer mehr aus dem Literaturbetrieb zurück, der ihn auch kaum noch zur Kenntnis nahm.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 11. Mai 2018





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