„Le roi, c‘est moi“

Herbert Becker zu Macrons neuester Trophäe
|    Ausgabe vom 18. Mai 2018

Zweimal im Jahr macht die Stadt Aachen medial auf sich aufmerksam: Sie verleiht Preise, einmal den „Orden wider den tierischen Ernst“ und zum anderen den „Internationalen Karlspreis“. Zuerst war Winfried Kretschmann aus Stuttgart dran, er bekam die bunte Karnevalsplakette, und jetzt durfte Emmanuel Macron sich die Bronze-Medaille mit dem Bildnis Karls des Großen umhängen lassen.
In Aachen hätte sich Napoleon gerne krönen lassen, um sich in die Nachfolge des Frankenherrschers zu stellen. Es scheiterte jedoch daran, dass der Papst dort nicht hinreisen wollte. Die Aachener Honoratioren krönen zwar niemanden, aber für Liebhaber historischer Symbolik wie Macron war diese Preisverleihung die perfekte Gelegenheit, seinem vor sich hin dümpelnden Projekt einer EU-Reform eine Bühne außerhalb von Parlamenten und TV-Studios zu geben.
Der immer autokratischer herrschende französische Präsident, bürgerlich-demokratisch bemäntelt mit einer satten Mehrheit in der Nationalversammlung, sammelt Preise, redet wie Obama, kriegt aber keine ihm genehmen Antworten. Sein Drängen „Ich glaube an eine stärker integrierte Eurozone mit einem eigenen Haushalt“ und „In Deutschland kann es nicht einen ewigen Fetischismus für Haushalts- und Handelsüberschüsse geben, weil sie auf Kosten der anderen erzielt werden“, findet wenig Zustimmung. Dass er in Aachen kein Wort darüber verlor, wie er ganz im Stil seiner neoliberalen Vorbilder Schröder und Blair die sozialen und politischen Verhältnisse in Frankreich umkrempelt, war keine höfische Contenance. Er lässt uns glauben, man müsse ihm nur folgen und „Europa“ würde werden wie der Hof Ludwigs des XIV. Macron ist so davon berauscht, die Macht der Konzerne und Banken zu festigen und auszubauen, dass er Kritik und Ablehnung weglächeln möchte.
Erst nach längerem Zögern war Madame Merkel bereit, in Aachen die Laudatio auf ihren „cher ami“ zu halten. Natürlich viel Lob und Freundlichkeiten, aber sie blieb bei ihrer bekannten Distanz. Wohl verpackt hielt sie am Führungsanspruch der BRD-Herrschenden fest: „Eine der spannenden Debatten zwischen Deutschland und Frankreich über die Souveränität betrifft immer wieder die Frage: Wie weit muss sich dieses zukünftige Europa schützen; und wie viel Offenheit brauchen wir als Europäer dafür? Wie finden wir in diesem Spannungsfeld die richtige Balance?“ Das Gemeinsame in der Politik der beiden Interessenverwalter bleibt offensichtlich, beide wollen das Europa der Konzerne durch Rüstung und wirtschaftliche Dominanz stabil halten.


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