Antifaschistische Solidarität

Mit der Antifaschistischen Karawane im Donbass
Von Renate Koppe
|    Ausgabe vom 25. Mai 2018
Die Antifaschistische Karawane bringt Hilfsgüter. (Foto: Alessandro Carlesso)
Die Antifaschistische Karawane bringt Hilfsgüter. (Foto: Alessandro Carlesso)

Anfang Mai besuchte die von der italienischen Band Banda Bassotti initiierte antifaschistische Karawane zum vierten Mal den Donbass. Jedes Jahr fahren etwa 50 Teilnehmer aus verschiedenen Ländern in den Donbass, diesmal waren sie aus Italien, Spanien, Irland, Russland, Deutschland, Mexiko, Portugal und weiteren Ländern, darunter auch zwei Mitglieder der DKP.

Vor allem in Italien sammelte die Karawane im Vorfeld humanitäre Hilfe und kam mit einer großen Ladung von Kinderkleidung, Spielzeug, Medikamenten in den Donbass. Ziel ist aber vor allem, den Menschen vor Ort zu zeigen, dass auch Menschen aus westlichen Ländern sie unterstützen und nicht mit der Politik ihrer Regierungen, die den Krieg der faschistischen ukrainischen Regierung gegen den Donbass unterstützen, einverstanden sind. Und es geht darum, in den eigenen Ländern darüber zu informieren, was tatsächlich im Donbass geschieht.
Den ersten Tag verbrachte die Karawane in der Lugansker Volksrepublik (LVR). Wir besuchten u. a. ein Kinderheim in Lugansk. Die Kinder besuchen eine Schule im Stadtteil. Das Heim ist etwas beengt, aber den Kindern werden viele kulturelle und sportliche Aktivitäten angeboten. Zwei junge Mädchen, die die 8. und 9. Klasse besuchen, erzählten uns, dass sie nach der Schule studieren möchten, eine von ihnen will Sozialarbeiterin werden. Gerade im Vorfeld des 9. Mai beschäftigen sich die Kinder mit dem Krieg gegen die faschistische Wehrmacht 1941 bis 1945, für sie hat das eine ganz unmittelbare Bedeutung, da ihr Land wieder von Faschisten angegriffen und beschossen wird. Am gleichen Tag besuchten wir die Stadtverwaltung der an der Front liegenden Stadt Kirowsk und wurden über die Lage informiert. Auch hierhin wurde humanitäre Hilfe gebracht, u. a. Medikamente für die Brigade Prisrak der Streitkräfte der LVR, die in Kirowsk stationiert ist und eine kommunistische Einheit hat.
Am Abend ging es weiter in die Donezker Volksrepublik (DVR), wo wir von Genossen der Kommunistischen Partei der DVR erwartet wurden. Gleich am nächsten Tag fand in der Stadt Makejewka auf dem Platz vor einem Kulturpalast ein Konzert des in der DVR bekannten Orchesters „Schachtjorskije Sori“, das vor allem aus Bergleuten besteht, gemeinsam mit Banda Bassotti statt, die beiden Gruppen hatten im Vorfeld Noten ausgetauscht, um jeweils das Repertoire der anderen üben zu können. Der Stadtteil, in dem das Konzert stattfand, wurde und wird häufig beschossen. Ganz in der Nähe besuchten wir dann den Klub der Makejewker Komsomolzen. Unter der Leitung einer erfahrenen Pädagogin gibt es hier kostenlose Freizeitangebote für Kinder aus dem Stadtteil. Viele der jungen Besucher haben sich der Pionierorganisation oder dem Komsomol angeschlossen. Auch dieser Klub erhielt humanitäre Hilfe von der Karawane.
Weitere Stationen des Besuchs in der DVR waren ein staatlicher Maschinenbaubetrieb, in dem Sicherheitssysteme für Steinkohlebergwerke hergestellt werden, ein wichtiger Wirtschaftszweig im Donbass.  Dies ist nur ein Beispiel dafür, dass in der DVR trotz des Kriegs intensiv am Wiederaufbau der Wirtschaft gearbeitet wird. Am selben Tag besuchte die Karawane eine Fachhochschule für Bergbauwesen in Donezk, wo an diesem Tag die Feier der Hochschule zum Tag des Sieges des sowjetischen Volks über den deutschen Faschismus stattfand. Mitarbeiter und Studierende begingen diesen Tag mit einer Feier und einem Konzert, bei dem der erste Sekretär der KP der DVR, Boris Litwinow, und ein Vertreter der gesellschaftlichen Organisation „Oplot Donbassa“, der das Staatsoberhaupt der DVR angehört, sprachen. Bei dieser Veranstaltung wurde an den Sieg über den deutschen Faschismus und an die Opfer, die das Sowjetvolk erbracht hat, erinnert, aber genauso an die Toten im derzeitigen Kampf gegen den ukrainischen Faschismus. Der 9. Mai ist im Donbass ein sehr aktueller Tag.
Die Karawane besuchte auch Orte direkt an der Front. Eine Familie in Gorlowka, die viele Pflegekinder aufgenommen hat, erhielt humanitäre Hilfe. Hier ist deutlich die Verzweiflung darüber spürbar, dass dieser Krieg kein Ende nimmt. Im Allgemeinen aber ist der Optimismus der Menschen und der Stolz auf den bereits geleisteten Wiederaufbau, auf das gut funktionierende Bildungswesen und den kulturellen Bereich deutlich spürbar. Diese Leistungen sind umso beeindruckender, als die Angriffe der ukrainischen Truppen, der Terror gegen die Zivilbevölkerung in den letzten Wochen wieder stark zugenommen haben.
Nur ein Beispiel: Heute, am 20. Mai, berichtete der Bürgermeister von Gorlowka in einem Interview, dass allein seit dem 1. Mai in Gorlowka und Umgebung 107 Wohnhäuser durch ukrainischen Beschuss beschädigt wurden. Allein in der letzten Woche wurden in diesem Gebiet vier Menschen durch ukrainische Geschosse getötet, sieben weitere wurden verletzt. Hier wird deutlich, dass das Anliegen der Karawane mit jedem Tag wichtiger wird. Sie will hier bei uns über diesen auch von der Bundesregierung unterstützten Krieg informieren, Protest dagegen und Solidarität mit den Menschen im Donbass zu entwickeln.
Am nächsten Tag reiste die Karawane zurück in die LVR, um dort an der Parade und am „Unsterblichen Regiment“ zum Tag des Sieges teilzunehmen und in Stachanow ein Konzert zu geben. Ich blieb zum Tag des Sieges und zum Jahrestag der Republik bei Genossen in der DVR.


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Leserbrief zu Artikel »Antifaschistische Solidarität«, UZ vom 25. Mai 2018





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