Es geht um Wasser

Israel wird die Golan-Höhen nicht zurückgeben
Von Manfred Ziegler
|    Ausgabe vom 1. Juni 2018

Am 10. Mai griffen israelische Flugzeuge in den schwersten Angriffen seit Jahrzehnten Ziele in Syrien an. Vorausgegangen waren Angriffe auf dem Golan. Syrische Medien berichteten von Angriffen aus dem israelisch besetzten Golan auf syrische Armeeeinheiten, die mit syrischen Angriffen beantwortet wurden. Das israelische Militär sprach von unprovozierten „iranischen“ Angriffen.
Es geht vor allem um Wasser.Für die israelische Landwirtschaft, ist vom Staat geliefertes Wasser ein wesentlicher Produktionsfaktor. Auf Entsalzung von Meerwasser zu setzen, würde die Rentabilität des Agrarsektors deutlich verringern. Mit der Besetzung der syrischen Golan-Höhen war Israel entgegen internationalem Recht in der Lage, die Entnahme von Wasser aus dem Tiberias-See zu steigern. Mit Hilfe dieses Wassers konnte Israel auch die schlimmste Dürre „seit 900 Jahren“, wie die NASA es nannte, in den ersten Jahren des Jahrtausends überstehen.
1967 hatte das israelische Militär zwei Drittel der Golanhöhen besetzt, Siedler folgten und 1981 annektierte Israel per Gesetz das besetzte Gebiet auf dem Golan. Die UN-Resolution 497 erklärte die Annexion für null und nichtig, doch Netanjahu erklärte 2016: „Die Golan-Höhen werden für immer in den Händen Israels bleiben …“
Die syrische Regierung hat die Annexion ebenso wenig anerkannt wie die UN, die zumindest in ihren offiziellen Erklärungen die Golanhöhen als syrisches Staatsgebiet anerkennen.Verhandlungen zwischen beiden Seiten führten nie zu einem Ergebnis. Auf syrischer Seite bestand der Eindruck, Israel wollte die Verhandlungen immer weiter in die Länge ziehen, um in der Zwischenzeit Fakten vor Ort zu schaffen.
Zu Beginn des Krieges gab es Spekulationen, ob israelischen Sicherheitsinteressen durch eine stabile Regierung in Damaskus mehr gedient wäre als durch die Herrschaft sunnitischer Extremisten. Auf dem Golan gab das israelische Militär die Antwort auf die Spekulationen – und sie war eindeutig. Die Dschihadisten erhielten logistische und medizinische Unterstützung durch die israelische Armee. Bis zu 2 000 Kämpfer wurden in Israel medizinisch betreut und nach ihrer Genesung wieder nach Syrien geschickt, wie das u. a. das „Wall Street Journal“ berichtete. Gelegentlich griff die israelische Luftwaffe auch direkt in den Krieg auf dem Golan ein. So sind neben al-Tanf und Daraa, wo sie die USA unterstützen, auch Gebiete um den Golan noch unter Kontrolle der Dschihadisten – mit Hilfe Israels.
2009 hatte Netanjahu den Iran als Begründung für die Annexion des Golan ins Spiel gebracht: „Die Rückgabe der Golan-Höhen würde sie zur Frontlinie des Iran machen und damit den ganzen Staat Israel bedrohen.“ Da war es nur noch ein kleiner Schritt, einen angeblichen Angriff iranischer Einheiten auf israelische Stützpunkte auf dem Golan als Vorwand für einen großen Angriff auf Syrien zu nehmen. Nach dem Muster der USA erweitert mittlerweile auch Israel eine „Sicherheitszone“ bis weit nach Syrien hinein, um die syrische Armee und ihre Verbündeten von der eigenen Grenze fernzuhalten.
Die syrische Armee bereitet dennoch eine Offensive vor, um die Dschihadisten von der syrischen Seite des Golan zu vertreiben. Wenn es dazu kommt, wird das israelische Militär vermutlich erneut auf Seiten der Dschihadisten eingreifen – gegen vorgeblich iranische Angriffe.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu Artikel »Es geht um Wasser«, UZ vom 1. Juni 2018





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.