Terroristen wegbomben

Die GroKo will die Kampfdrohne Heron TP anschaffen
Von Klaus Wagener
|    Ausgabe vom 8. Juni 2018

Die Kanzlerin und ihre Kriegsministerin wollen gerne ins Killergeschäft einsteigen. Vielleicht hat die Vorstellung von den Todeslisten, welche der US-Präsident turnusmäßig abzeichnet, die Damen animiert. Jedenfalls möchten sie, möchte die GroKo, fünf israelische Drohnen vom Typ Heron TP so lange leasen, bis die Firma Airbus eine eigene „Euro-Drohne“ entwickelt hat. Das soll 2027 der Fall sein. Kein ganz billiges Vergnügen. Das Leasing der fünf Heron TP soll mehr als eine Milliarde Euro kosten. Die genauen Kosten, erfahrungsgemäß wird es immer teurer, hängen von Ausstattung und Einsatzort ab.
Kosten in diesen Dimensionen lösen im Verteidigungsministerium nicht unbedingt Sorgen aus. Schon die Spionagedrohne Euro Hawk kostete hunderte Millionen, bevor von der Leyens Vorgänger, Thomas de Maizière, den nicht zulassungsfähigen Datenstaubsauger stilllegen musste. De Maizière hatte es mit der Wahrheit nicht allzu genau genommen, entging nur knapp dem Rausschmiss und hätte eigentlich viel lieber eine Killer-Drohne gekauft.
Heute, knapp fünf Jahre später, scheinen die blutig-feuchten Träume des Ex-Verteidigungsministers Wirklichkeit zu werden. Geld ist beim anvisierten 2-Prozent-Ziel reichlich vorhanden. Die 26 Meter breite und mit einem 1 200 PS starken Turboprop-Antrieb ausgestattete Heron TP kann, bei einem Eigengewicht von 5,3 Tonnen, mit einer „Nutzlast“ von etwa einer Tonne, 36 Stunden in der Luft bleiben. Eine Tonne „Nutzlast“, das bedeutet ein ganzes Arsenal gesteuerter Raketen und/oder mittlerer Bomben. Der Auftrag für die von Israel Aerospace Industries (IAI) und Rheinmetall Defence Electronics (RDE) produzierte Drohne soll, sehr zum Ärger unserer „amerikanischen Freunde“, freihändig vergeben werden, weil die israelische Bewaffnung den deutschen Generälen angeblich besser gefällt, als die vom Konkurrenten General Atomics in seinem MQ-9 Reaper verbaubare. Klar, es geht um die Bewaffnung.
Dabei sollen die Killer-Drohnen, wohl auf Rat der Nebelwerferfraktion der GroKo, zunächst ohne Bewaffnung gekauft werden. Um dann im Stil von Donald Trump zu fragen: „Wozu haben wir Kampf-Drohnen, wenn wir sie nicht einsetzen?“ Ja, das wäre dann in der Tat die Frage. Aber umgekehrt: Wenn man keine Killer-Drohnen einsetzen will, warum kauft man erst welche für sehr viel Geld? Ja, selbstredend wollen die Kriegsministerin und ihre Generäle auf Menschenjagd gehen und, nach welchen Kriterien auch immer, selbstherrlich, im Stil römischer Cäsaren, abschießen können, wer auch immer ihnen nicht passt. Genau wie es der US-Präsident oder der israelische Ministerpräsident kann. Auch das ist gemeint, wenn von strategischer Unabhängigkeit der EU die Rede ist.
Die israelische Armee hat 70 Jahre Erfahrung mit Krieg und Landraub. Und mit dem Protest der Beraubten und der Angehörigen der Ermordeten. Mit üblen Terroristen eben. Terroristen muss man erschießen, am besten aus der Distanz, aus dem Panzer, dem Hubschrauber, dem Kampfjet, oder noch besser vom Schreibtisch aus. An diesen mühsam erworbenen Erfahrungen teilhaftig werden zu können, ist für einen strategisch unabhängigen EU-Imperialismus eigentlich unbezahlbar, oder?


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Leserbrief zu Artikel »Terroristen wegbomben«, UZ vom 8. Juni 2018





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